München. In den Augen von Michelin fristet der Trailer bislang zu Unrecht ein Mauerblümchendasein – er wird nicht optimal eingesetzt und gepflegt. Das wollen die Reifenexperten mit einer Reifendrucküberwachung durch Telematiksysteme ändern.
Denn fast jede vierte Sattelzugpanne werde durch einen Reifenschaden am Sattelauflieger ausgelöst. Das kostet nicht nur Zeit, sondern pro Schaden durchschnittlich 1500 Euro. Und eine sehr hohe Zahl dieser Reifenschäden geht Michelin zufolge auf zu niedrigen Luftdruck zurück.
Auf dieser Basis entwickelte die Konzerntochter Michelin Solutions ihr Dienstleistungsangebot Effitrailer, das in erster Linie Flottenbesitzern mit mehr als 100 Trailern deutliche Einsparungen bringen soll – durch Reduzierung der Pannen und durch effizienteres Trailermanagement.
Dafür installiert der Reifenhersteller an allen Trailern Reifendruckkontrollsysteme, die ihre Daten via Funk an Michelin übermitteln, sowie ein GPS-System, das ständig seine Position übermittelt. Das Angebot ist nicht an die Nutzung einer bestimmten Reifenmarke gebunden. Nach Daten von Michelin sind bislang nur acht Prozent aller Trailer mit Telematiklösungen ausgestattet, und nur ein Teil dieser Systeme übermittle Reifendruckdaten.
Einsparungen sollen die Flottenbetreiber in mehreren Bereichen erzielen. Michelin verspricht, die Standzeiten von Sattelaufliegern infolge von Reifenpannen durch das Reifendruckmanagement um 50 Prozent zu verringern. Denn wenn der Reifendruck nicht stimmt, werde sofort der Fuhrunternehmer informiert. Neben der Vermeidung von Reifenplatzern bringt der Betrieb mit korrektem Luftdruck auch höhere Laufleistungen und geringeren Kraftstoffverbrauch.
Für den Umweg, den Reifendruckalarm an das Unternehmen zu senden, entschied sich Michelin aus zwei Gründen: Zum einen wird dem Spediteur mit jeder Meldung die Nützlichkeit des Service demonstriert. Zum anderen ist nach Michelin-Erfahrung der Zeitdruck der Fahrer oft so groß, dass diese dazu neigen, das Aufpumpen der Reifen auf den nächsten Nutzer des Trailers zu verschieben.
Die kontinuierliche GPS-Ortung soll für eine höhere Auslastung der Anhänger und weniger Leerfahrten sorgen, zudem die Termintreue und damit das Verhältnis der Spediteure zu ihren Kunden verbessern.