München. Mit einer neuen Simulationsmethode will Yokohama die Quadratur des Reifens schaffen. Der japanische Hersteller hat sich zum Ziel gesetzt, einen völlig neuartigen Reifengummi zu entwickeln, der Eigenschaften unter einen Hut bringt, die bislang als unvereinbar galten. Bisher müssen Reifenentwickler sich etwa optimalen Grip mit Einbußen bei Spritverbrauch und Langlebigkeit erkaufen. Ebenso schließen sich sehr niedriges Gewicht und hohe Stabilität eher aus.
Wie sich der Reifen verhält, wird maßgeblich durch die Gummimischung bestimmt, und zwar durch die sogenannte Morphologie, also die komplexe Feinverteilung von Polymer (Gummi) und den sogenannten Füllstoffen wie Ruß oder Silika in dem Gemisch.
Der Clou der neuen Simulationstechnik: Sie kann nicht nur Eigenschaften bekannter Gummimischungen virtuell testen. Die neue Methode kann bislang noch nicht realisierte Mischungen simulieren und deren Eigenschaften im Reifen vorhersagen.
Es könnte also per Simulation der "Bauplan" für eine Gummimischung mit optimalen Eigenschaften entworfen werden, den Chemiker dann "nur" noch umsetzen müssten, statt wie bislang mehr oder weniger blind herumzuprobieren.
Bei Yokohama ist man überzeugt, nun ein mächtiges Werkzeug zu besitzen. Tests auf einem Hochleistungsrechner im Tokyo Institute of Technology haben gezeigt, dass die Simulationstechnik in 75 Minuten Großberechnungen durchführen kann, die aus einer Milliarde Elementen bestehen. Das sei eine bislang unerreichte Spitzenleistung bei Berechnungen dieser Art.