Frankfurt/Main. Es ist der Albtraum eines jeden Autofahrers: einen Fußgänger zu überfahren. Im vergangenen Jahr verunglückten allein in Deutschland 523 Fußgänger tödlich. Das entspricht 15 Prozent aller Verkehrstoten hierzulande. Die Verbraucherschutzorganisation Euro NCAP stuft Fußgänger neben den Radfahrern als "ungeschützte" Verkehrsteilnehmer ein und hat nun ihr Punkte- und Sterne-Vergabesystem reformiert. Demnach müssen Neufahrzeuge ab 2016 drei neue Testszenarien durchlaufen, wenn sie die begehrten fünf Sterne der Organisation erhalten wollen.
"Um die Notbremssysteme für ungeschützte Verkehrsteilnehmer bewerten zu können, betrachten wir zwei Bereiche: zum einen die automatische Notbremsfunktion, zum anderen die Mensch-Maschine-Schnittstelle", erläutert eine Euro-NCAP-Sprecherin. Für den ersten Bereich sind die Kriterien bereits recht klar. Die Testszenarien für die Notbremsung werden mit Geschwindigkeiten von 20 bis 60 km/h in neun Schritten durchlaufen. Der Fußgänger soll "keine signifikanten Verletzungen" davontragen.
Die Hersteller setzen dabei auf verschiedene Technologien, die sich vor allem in der Sensorik voneinander unterscheiden. So verwendet Volkswagen im Passat noch ein von Bosch zugeliefertes System, das auf Radarsensoren in Verbindung mit einer Mono-Kamera basiert. Im neuen Tiguan, der auf der IAA in Frankfurt vorgestellt wurde, befindet sich hingegen eine Technologie, die in der Lage ist, ausschließlich mithilfe von Radarsensoren Fußgänger und deren Bewegungsabsichten zu erkennen.