Atlanta. Dafür haben er und seine zwei Gründungskollegen den Handel nach dem Vorbild von Amazon & Co. weitgehend ins Internet verlagert. „Denn warum sollte man gebrauchte Autos nicht genau wie Schuhe oder Bücher online kaufen können?“, fragt Huston und verweist auf die aktuell mehr als 600 Angebote auf der Carvana- Website. Anders als bei den bekannten Onlineportalen werden die Fahrzeuge dort alle nach dem gleichen Standard präsentiert und im Bemühen um maximale Transparenz sehr aufwendig in Szene gesetzt, erläutert Huston. In einer speziellen Fotobox drei Dutzend Mal automatisch abgelichtet, komponiert der Carvana-Computer daraus einen Datensatz, mit dem man das Auto am Bildschirm komplett unter die Lupe nehmen kann: „Man kann jeden Wagen um 360 Grad drehen, Details heranzoomen, in den Innenraum oder unter die Haube schauen.“ Und falls man doch nicht zufrieden ist mit seiner Wahl, gibt Carvana für sieben Tage eine Geldzurück- Garantie. Man schmückt sich im Firmenlogo sogar mit einem Heiligenschein. „Wir wollen unseren Kunden böse Überraschungen ersparen“, sagt Huston. Das scheint zu funktionieren: Nur einer von 100 Käufern will sein Geld zurück.
Im Schnitt 1500 Dollar billiger
Die schlanke Organisation von Carvana macht niedrige Preise möglich. Bei einem konventionellen Händler schlagen die Immobile, das Personal und das Fahrzeughandling mit 2000 bis 3000 Dollar pro Wagen zu Buche, rechnet der Mitbegründer vor: „Wir haben viel geringere Ausgaben und können unsere Autos deshalb im Schnitt 1500 Dollar billiger anbieten.“ Zwar wird im Internet ausgesucht und gekauft. Doch anders als Amazon verschickt Carvana seine Ware nicht mit der Post. Stattdessen kann man auf der Website einen Liefertermin vereinbaren und kostenlos einen Autotransporter nach Hause ordern. Oder man bestellt den Wagen in die „Vending Machine“. So nennt Huston die überdimensionale Postbox für Selbstabholer, die Carvana am Stammsitz in einem Szeneviertel Atlantas installiert hat. In drei gläsernen, blitzblank polierten Garagen warten die Autos darauf, dass ein Kunde per PIN-Code das Rolltor öffnet. Noch bekommt er Schlüssel und Papiere vom Carvana-Mitarbeiter und muss sich deshalb an Öffnungszeiten halten. Doch in Charlotte entsteht gerade die zweite „Vending Machine“, die komplett automatisiert und deshalb 24 Stunden geöffnet ist: „Dort kauft man dann seine Gebrauchten gar vollends wie im Automaten.“ Ein gutes Jahr nach dem Start hat sich Carvana in den drei USStaaten Georgia, North Carolina und Tennessee bereits etabliert. Mit etwas mehr als 60 Mitarbeitern verkauft das Start-up rund 600 Autos im Monat und plant für das nächste Jahr die Expansion in weitere Regionen. Mindestens fünf und maximal 20 Bundesstaaten wollen Huston und seine Kollegen 2015 zusätzlich bedienen und mittelfristig die gesamten USA abdecken.