Peking. China will den Aufbau von Ladestationen für Elektroautos kräftig beschleunigen. Bis 2020 soll die Infrastruktur neuen Plänen zufolge fünf Millionen E-Autos bedienen können. Künftig müssen Parkplätze aller neuen Wohnanlagen sowie jeder zehnte öffentliche Stellplatz mit Ladestationen ausgestattet sein. Dazu möchte Peking private Betreiber mit ins Boot holen, die als Anreiz etwa von den Stromnetzgebühren ausgenommen werden sollen.
Peking will damit die größte Hürde aus dem Weg räumen, die dem erwünschten Boom der E-Autos derzeit noch entgegensteht. "Dieses Mal ist die Regierung wirklich entschlossen", sagt Yale Zhang, Managing Director von Automotive Foresight in Schanghai. Insgesamt 12.000 Ladestationen und 4,8 Millionen Ladesäulen sollen aufgestellt werden. Zum Vergleich: Ende 2014 gab es gerade einmal 780 Stationen. BJEV, eine Elektronik-Tochter von Beijing Automotive Industry Corp. (BAIC), will bis Jahresende 10.000 Säulen in der Hauptstadt aufstellen. Anyue, eine eigens gegründete Tochter von Shanghai Automotive (SAIC), plant, bis 2020 landesweit 50.000 Säulen aufzubauen.
Es gibt allerdings auch Widerstand. So sei es schwierig, das Management von Wohnanlagen und Bürogebäuden zum Aufstellen von Ladestationen zu überreden, sagt Experte Zhang. "Diese finden stets 1000 Gründe dagegen – etwa erhöhte Brandgefahr." Ohne finanzielle Anreize und Vorschriften gehe es daher nicht. Ein weiteres Problem: Es fehlen einheitliche Standards. Im Oktober rief die Energiebehörde daher eine "Allianz zur Förderung von Ladeinfrastruktur für Elektroautos" ins Leben, die Forschung und Standardisierung vorantreiben soll. 2014 vereinbarten Deutschland und China kompatible Interfaces und Kommunikationsprotokolle. Daher wird erwartet, dass ein künftiger chinesischer Standard sich an das europäische Modell anlehnen wird.
In den ersten zehn Monaten 2015 wurden in China 113.810 E-Autos verkauft – fast das Fünffache des Vorjahreszeitraums. Plug-in-Hybride legten um 180 Prozent auf 57.335 Autos zu.