Reutlingen. Überkapazitäten im Markt für Traktionsbatterien überrascht der Paradigmenwechsel auch Experten. Fetzer blickt allerdings in die Zukunft. „Wir gehen momentan von einer Gesamtkapazität von etwa zehn Gigawattstunden aus. Das reicht etwa für 100.000 Elektrofahrzeuge.“ Für das Jahr 2025 rechne man jedoch weltweit bereits mit 18,5 Millionen elektrifizierten Fahrzeugen, davon allein 8,8 Millionen Plug-in-Hybride. „Wenn wir einen nennenswerten Markt für E-Fahrzeuge in Europa sehen, dann werden dort auch Zellen produziert werden“, sagt Gerhard Hörpel, stellvertretender Leiter des MEET, eines Batterieforschungszentrums an der Universität Münster. „Schon aus Sicherheitsgründen würde man solche Mengen Lithium-Ionen- Zellen nicht durch die Welt transportieren.“ Denn solange die Zellen nicht in einem Batteriesystem gebündelt und von einer Elektronik überwacht werden, ist die Brandgefahr deutlich höher. Wenn Bosch – oder ein anderer Zulieferer hierzulande – in die Zellfertigung einsteigt, dann erst mit der nächsten Generation der Lithium-Ionen-Technik. Die verspricht eine Erhöhung der Leistungsdichte von heute circa 150 auf bis zu 280 Wattstunden pro Kilo. Hörpel hält auch damit die Lithium-Akkus nicht für ausgereizt. Auf dem Labortisch habe er bereits Zellen, die mehr als 300 Wattstunden je Liter Volumen und je Kilo schaffen. Andere Technologien wie Lithium-Schwefel, die eine noch höhere Energiedichte versprechen, sieht er frühestens 2025. „Wir haben das Sicherheitsproblem dieses Batterietyps noch nicht gelöst.“ In der Praxis würden daher – auf das Gewicht bezogen – noch keine höheren Energiedichten erreicht. Der Einstieg in eine Batterie- Zellfertigung ist mit hohen Investitionen verbunden. Auf mindestens 500 Millionen Euro schätzt Ottmar Frey, Geschäftsführer des Fachverbands Batterien im ZVEI, den Aufwand, um eine Fabrik mit wettbewerbsfähigen Produktionsmengen zu errichten. „Angesichts des noch kleinen Markts für Hybrid- und Elektrofahrzeuge haben wir damit ein klassisches Henne-Ei-Problem“, so Frey. Zudem wird es auch künftig keine Einheitsbatterie für alle Elektrofahrzeuge geben. Zwar sind laut Fetzer die äußeren Abmessungen der Zellen zunehmend standardisiert, aber die Chemie unterscheidet sich auch künftig danach, ob eine Zelle in einem reinen Elektrofahrzeug oder einem Plug-in-Hybrid eingesetzt wird.
Batterien für E-Fahrzeuge
Aus deutschen Landen
Der weltweit größte Automobilzulieferer schließt den Einstieg in eine Batterie-Zellfertigung für Elektro- und Hybridfahrzeuge nicht länger aus. Dies sagte Bosch-Manager Joachim Fetzer, Mitglied des Bereichsvorstands Benzinsysteme, auf einer Veranstaltung des Zentralverbands der Elektroindustrie ZVEI Mitte Februar. „Wir werden das abhängig von der Marktentwicklung bis 2020 entscheiden.“ Bislang verlässt sich Bosch bei der Zellfertigung auf seine japanischen Partner GS Yuasa und Mitsubishi Corporation und produziert nur Leistungselektronik und Batteriemanagementsysteme. Zudem besitzt das Unternehmen die Fähigkeit, komplette Batteriesysteme zu entwickeln und zu montieren.