München. Der Touchscreen erobert den Rücksitz. Nachdem berührungsempfindliche Bildschirme im Cockpit längst Standard sind, müssen auch Hinterbänkler immer weniger Tasten drücken – und können ihren Screen sogar als Tablet-Computer nutzen.
Den Anfang hat vor zwei Jahren der Bentley Flying Spur gemacht, dessen Fond-Steuerung allerdings noch stark an eine Hightech-Fernbedienung erinnert. Im neuen Audi Q7 und im BMW Siebener dagegen gibt es für die Passagiere tatsächlich ein vollwertiges Touchpad, mit dem man Sitze verstellen, Massagefunktionen steuern, die Navigation verfolgen oder auch einfach nur seine E-Mails schreiben kann. Derzeit müssen die Kunden dafür tief in die Tasche greifen: Bei Audi kostet das 10,1-Zoll-Gerät inklusive Rear-Seat-Entertainment-Paket 1180 Euro, bei BMW werden für das nur sieben Zoll große Touchpad im Paket mit allen Fond-Funktionen 3100 Euro fällig. Die Preise reden ihnen die Verkäufer mit einem angenehmen Nebeneffekt schön: Als vollwertige Tablet-Computer kann man die Geräte auch außerhalb des Wagens nutzen.
Während die Hersteller für die Oberklasse eigene Tablet-Computer entwickeln, gibt es den gleichen Bedienkomfort in den Segmenten darunter auch für kleines Geld – als simple App für das Smartphone. "Das ist ein weiteres Beispiel dafür, wie die Digitalisierung für eine Demokratisierung der Technik sorgt", sagt ein VW-Entwickler mit Blick auf das entsprechende Feature im aktuellen Passat.
In der Serie beschränken sich die Hersteller bei solchen Tablet-Lösungen nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen bislang noch auf Infotainment-, Navigations- und Komfort-Funktionen. Doch in der Forschung und auf den Messen gehen sie bereits viel weiter. Dort nutzen sie die Touchscreens von Smartphones und Tablets sogar als Fernsteuerung und rangieren ihre Autos damit autonom in die nächste Parklücke.
Neu ist das nicht: Zumindest 007-Agent James Bond konnte das im Kino schon vor zwei Jahrzehnten.