München. Mit großer medialer Präsenz hatte BMW Ende 2013 sein erstes Elektroauto, den i3, und kurz danach den Sportwagen i8 auf den Markt gebracht. Hierzulande wurden im Januar 138 BMW i3 und 46 BMW i8 neu zugelassen. Weltweit waren es bis November 2014 rund 13.000 i-Fahrzeuge, eine aktuellere Zahl war bei BMW nicht zu erfahren.
Vertrieben werden die Autos im Rahmen eines Mehrkanalmodells nicht nur über Händler – gestartet ist man mit 46 BMW i-Agenten, derzeit sind es 50 –, sondern auch über das Internet. Eine Option, von der allerdings nur wenige Kunden Gebrauch machen – gerade mal drei waren es bis November 2014, so BMW-Marketingchefin Stefanie Wurst beim Automobilwoche Kongress: „Die Nachfrage nach dem Onlinekauf ist verschwindend gering.“ Selbst ein Produkt für die „postmaterielle Zielgruppe“ lasse sich offenbar noch nicht online verkaufen.Und das hat sich bis dato nicht geändert: „In der Tat ist der Anteil der reinen Onlineverkäufe nach wie vor gering“, bestätigte ein BMW-Sprecher auf Anfrage. „Eine genaue Zahl liegt uns leider nicht vor.“
Auch bei der Unternehmensberatung V-max geht man nicht davon aus, dass der direkte Neuwagenkauf über das Internet und den Hersteller – vorbei am Handel – schnell zunehmen wird. Doch das sei für die Händler kein Grund zur Entwarnung. Der Handel selbst habe noch große Defizite im Umgang mit dem Netz. Weite Teile hätten den Nutzen des Mediums noch nicht verstanden. „Eigentlich bräuchte der Handel einen eigenen Digitalverkäufer“, sagen die Experten. „Aber welches Autohaus kann und will sich so einen leisten?“
Auch in einer aktuellen anonymisierten Panelumfrage von V-max unter Händlern bejahen viele die Notwendigkeit von dezidiertem Personal. „Ich halte Investitionen in Online- Kompetenz für besser als die Fortsetzung der Event-Unkultur“, sagt einer. „Im Autohaus braucht es keinen Steve Jobs“, betont ein anderer, „sondern einen Kommunikationsmitarbeiter auf Nutzerniveau.“ Dies lasse sich vielleicht in Zukunft sogar als Ausbildungsberuf im Autohaus umsetzen. Andere sehen zwar die Notwendigkeit, halten es aber für „zu teuer für die meisten Unternehmen“ oder befürchten: „Das können sich nur die großen Gruppen leisten.“