Wien. Hinzu kommt die weiter verschärfte CO2-Gesetzgebung, die Fröhlich Sorgen bereitet. Zwar könnten Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor noch rund 40 Prozent weniger Kraftstoff verbrauchen. Allerdings seien dazu weitreichende technische Maßnahmen wie der Einsatz von Motoren mit variabler Verdichtung und Luftwiderstandsbeiwerte von 0,20 nötig. „Doch das Grenzpotenzial, das wir industrialisieren können, liegt daher eher bei 20 Prozent.“ An der Elektrifizierung des Antriebs führt für ihn deshalb kein Weg vorbei. Im Jahr 2030 werden weltweit jährlich über 40 Millionen Hybridfahrzeuge produziert, erwartet Peter Gutzmer, stellvertretender Schaeffler-Vorstandschef. Ihm zufolge setzen sich dabei zwei technische Wege durch: der 48-Volt- Hybridantrieb für kleinere Autos, Plug-in-Hybride mit bis zu 800 Volt für größere und schwerere. Gravierend sind die Folgen der Elektrifizierung vor allem für die Getriebewelt. Schaeffler-Berechnungen zeigen, dass selbst eine milde Elektrifizierung mit 48 Volt zu einer Verbrauchseinsparung von 18 Prozent im WLTP-Zyklus führt. Das Besondere daran: Das der Simulation zugrunde liegende Hybridfahrzeug war nur mit einem Vierganggetriebe ausgestattet, während das Vergleichsfahrzeug mit Verbrennungsmotor über sieben Gänge verfügte. „Wir müssen künftig Verbrenner, elektrische Antriebskomponenten und Getriebe im Systemverbund optimieren“, so Gutzmer. Bosch-Geschäftsführer Rolf Bulander warnt davor, die Elektrifizierung als Konkurrenz zum Verbrennungsmotor zu betrachten. „Dank der Elektrifizierung steht dem Verbrenner die beste Zeit noch bevor“, ist er überzeugt. Die Motorexperten rechnen zudem mit komplexeren Aggregaten. So stellte VW-Entwicklungschef Heinz-Jakob Neußer einen Dieselmotor vor, der 221 Kilowatt Leistung aus zwei Litern Hubraum holt und bald in Serie gehen soll. Technisch bietet der Motor nahezu alles Machbare: Der Einspritzdruck steigt auf 3000 Bar, die zwei Turbolader mit variabler Turbinengeometrie werden durch einen elektrischer Lader ergänzt, die innere Reibung durch ein neues Fertigungsverfahren minimiert.
CO2-Einsparpotenzial
Verbrenner werden teurer
Die Einführung neuer Emissionsbestimmungen macht Verbrennungsmotoren künftig deutlich teurer, so die Einschätzung von BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich auf dem Wiener Motorensymposium. „Durch die RDE-Gesetzgebung nähern sich die Kosten für Verbrennungsmotoren und Elektroantriebe an, leider auf dem falschen Niveau“, so Fröhlich. RDE steht für „Real Driving Emissions“, einer geplanten EU-Richtlinie, der zufolge Abgasschadstoffe nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch bei realen Straßenfahrten gemessen werden sollen.