München. Rückblick: Am 15. September 2008 meldete die New Yorker Investmentbank Lehman Brothers nach Milliardenverlusten Insolvenz an. Was folgte, war eine Kettenreaktion: An der Börse brach der Dow-Jones-Index innerhalb weniger Tage um 35 Prozent ein und sackte bis Frühjahr 2009 auf einen Tiefstand von 6500 Punkten ab. Das Bruttoinlandsprodukt der USA verlor bis 2009 im Vergleich zu 2007 über drei Prozent. Und die Zahl der Erwerbstätigen sank um über vier Prozent. Die Wirtschaftskrise mit weltweiten Auswirkungen hatte auch dramatische Folgen für den US-Automarkt: Die Verkäufe brachen 2008 um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein – und fielen um weitere 21 Prozent im Jahr darauf. Die drastischen Verluste hinterließen auch in der Nachfragestruktur ihre Spuren. Während seit dem Jahr 2001 in den Staaten deutlich mehr Light Trucks, vornehmlich größere Offroader, SUVs und Pick-ups, zugelassen worden waren als klassische Pkw, fand zwischen 2007 und 2009 ein Umbruch statt. Die Light Trucks schlitterten mit einem Absatzeinbruch von 41 Prozent in eine noch größere Krise als der Gesamtmarkt, der 39 Prozent einbüßte. Nicht ganz so hart traf es die Pkw, sie verloren 29 Prozent. Für einige Marken wie Chrysler, Dodge und Jeep kam es in diesem Zeitraum knüppeldick, sie büßten bis zu zwei Drittel ihres Geschäfts ein. VW und Audi hingegen kamen glimpflicher davon.
„Cash for Clunkers“
Nachdem die Nachfrage Anfang 2009 teilweise bis zu 45 Prozent unter den Monatswerten von 2007 lag, stellte die US-Regierung drei Milliarden Dollar für eine Verschrottungsprämie als Kaufanreiz für Neuwagen zur Verfügung. „Cash for Clunkers“ – „Bargeld für Klapperkisten“ lautete das Motto. Das Programm lief vom 24 Juli bis 21. August und brachte 360.000 zusätzliche Verkäufe. Der befürchtete Einbruch nach dem Auslaufen der Aktion blieb aus, und ab Oktober 2009 lagen die Verkaufswerte wieder auf oder über den Vorjahreszahlen. Auch das Bruttoinlandsprodukt verzeichnete danach Wachstumsraten von bis zu 2,5 Prozent, und Mitte 2011 war die Wirtschaftskraft von 2007 wieder erreicht. Der kontinuierliche Rückgang des Ölpreises auf circa 60 Dollar Ende 2014 trug sicherlich auch zur Erholung der Nachfrage und der Normalisierung der Marktstrukturen bei. Der US-Automarkt feierte seine Wiederauferstehung – gleich Phönix aus der Asche. Die wirtschaftliche Erholung, attraktive Angebote, die Liebe der Amerikaner zu großen Fahrzeugen und der preiswerte Treibstoff sorgten denn auch dafür, dass sich der Absatz der Light Trucks dynamisch erholte. Im Jahr 2014 gehörten wieder 53 Prozent aller verkauften Fahrzeuge zu diesem Segment. In den Krisenjahren war ihr Anteil am US-Gesamtmarkt auf 48 Prozent gesunken, von über 55 Prozent im Jahr2014.
„Detroit Three“ als Verlierer
Als große Verlierer der Krise gingen mit General Motors, Ford und Chrysler (heute Teil von Fiat Chrysler Automobiles) die „Detroit Three“ hervor. Ihr Marktanteil sank seit 2005 bis dato um insgesamt zwölf Prozentpunkte. Am stärksten traf es GM mit einem Minus von über acht Prozentpunkten. Zu den Gewinnern zählen Honda, Renault-Nissan und Hyundai/Kia. Sie verbesserten sich allesamt, wobei die Koreaner mit einem Plus von knapp vier Prozentpunkten die beste Entwicklung zeigten. Toyota steigerte seinen Marktanteil zwar zwischen 2005 und 2014, konnte sich aber vom Einbruch des Jahres 2011¬ bis heute nicht ganz erholen. Infolge der Fukushima-Katastrophe hatten die Japaner erhebliche Lieferschwierigkeiten. Die deutschen Autobauer VW, BMW und Daimler steigerten sich seit 2005 in Summe von fünf auf acht Prozent Marktanteil. Den größten Sprung machte die VW-Gruppe, auch wenn die Marke VW zuletzt schwächelte. Laut Automobilwoche-Prognose werden die Verkäufe 2015 weiter steigen und in die Nähe der 17-Millionen-Marke kommen. Positive Wirtschaftsdynamik, ein niedriger Zinssatz, ein erwartetes Wirtschaftswachstum von drei Prozent und niedrige Rohölpreise geben Anlass zu Optimismus. Der lange Aufholprozess von sechs Jahren zeigt jedoch, dass die Krise Spuren hinterlassen hat. Zwischen 2008 und 2014 fehlen beim Absatz im Vergleich zum Durchschnittsniveau 2000 bis 2007 über 23 Millionen Fahrzeuge, die wohl in den nächsten Jahren nicht nachgeholt werden können. 2015 und 2016 wird voraussichtlich der Höhepunkt eines positiven Nachfragezyklus sein, zumal für die zweite Jahreshälfte 2015 eine Zinsanhebung durch die US-Notenbank erwartet wird. Dies dürfte die Nachfrage dämpfen. Längerfristig ist davon auszugehen, dass sie sich in den USA bei circa 16,5 Millionen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen einpendelt.