München. Am wichtigsten sei die Fähigkeit, in interdisziplinären Teams zu arbeiten, sagt Dagmar Dirzus, Geschäftsführerin der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik. Besondere Relevanz hat dabei die gute Zusammenarbeit zwischen Ingenieuren und Software-Experten, hebt die Maschinenbau-Ingenieurin hervor. „Die Vernetzung zwischen den unterschiedlichen Abteilungen wird durch Industrie 4.0 deutlich stärker. Daher müssen Führungskräfte immer intensiver interdisziplinär arbeiten“, unterstreicht Nicolas Vermersch, Geschäftsführer für Süddeutschland beim Personalberatungsunternehmen Michael Page. Ingenieure müssten „beispielsweise sowohl über Automatisierungs- und IT-Kenntnisse als auch über Maschinenbaukenntnisse verfügen“, erläutert Vermersch. Gute Kommunikationsfähigkeiten seien für den immer wichtiger werdenden Austausch zwischen verschiedenen Abteilungen erforderlich. Vermersch sieht die Absolventen niederländischer und französischer Hochschulen hier im Vorteil. Dort sei das Ingenieurstudium ohnehin „viel generalistischer angelegt“. In deutschen Ingenieur- Studiengängen müssten sich die Industrie-4.0-Anforderungen „stärker in den Curricula niederschlagen“, fordert der Personalberater. Bisher seien „in Deutschland ausgebildete Ingenieure sehr spezialisiert“ gewesen, argumentiert Vermersch, der selbst Elektrotechnik in Lille studiert hat. Spezialfähigkeiten seien auch weiterhin wichtig, „doch im Rahmen der Industrie 4.0 sehen wir einen deutlichen Trend hin zum Generalisten, der die Vernetzung zwischen den verschiedenen Abteilungen steuern kann.“ Dagmar Dirzus sieht die Ingenieurausbildung in Deutschland auf einer „sehr guten und breiten wissenschaftlichen Basis“, die nicht für „kurzfristige Spezialstudiengänge“ aufgegeben werden dürfe. Sie spricht sich vielmehr dafür aus, dem Training von „kooperativen Lösungsfindungen mehr Raum“ zu geben, auch in Studiengang-übergreifenden Teams. Für den Ingenieur der Zukunft sei auch „der proaktive Austausch von Erkenntnissen, um schnell zu Lösungen zu kommen“, sehr wichtig, so Dirzus. Dieser Wandel werde automatisch Einzug halten, da Studenten diese Fähigkeiten bei der Nutzung sozialer Medien ohnehin trainierten. Einen höheren Stellenwert werde auch die Kreativität erhalten, da der Logik folgende Entwicklungsschritte und Routinen immer häufiger automatisiert werden. Bei den Automobilherstellern sieht Vermersch die neuen Anforderungen schon in den Personalauswahlprozessen. BMW etwa habe sehr genaue Anforderungsprofile entwickelt. Von den Herstellern aus werde sich dieses Thema über die Stufen der Lieferkette fortpflanzen. Vermersch geht davon aus, dass der Bedarf noch dieses Jahr bei den Unternehmen zweiter Ordnung ankommt.
Kommunikationsfähigkeit
Der Ingenieur 4.0 hat Überblick
Auf dem Weg zur Produktion der Zukunft kommen neue Anforderungen auf die Ingenieure zu. Gefragt sind verstärkt Generalisten, die mehrere klassische Fachgebiete im Blick haben. Zudem muss der Ingenieur 4.0 gut kommunizieren können.