Hamburg. Der Ersatzteilspezialist Wulf Gaertner Autoparts erweitert sein Portfolio um maßgefertigte Komponenten für Oldtimer aus dem 3-D-Drucker. Wer bei der Suche nach Originalteilen für seinen Klassiker erfolglos bleibt, kann bei dem Hamburger Unternehmen eine passgenaue Kopie in Auftrag geben. Zunächst sei das Angebot auf Zierteile aus Kunststoff von der Größe eines DIN-A4-Blatts beschränkt, erläutert Andreas Pfeffer, der die Geschäftsentwicklung leitet. Das Unternehmen könne über Partnerbetriebe aber auch Komponenten aus Aluminium und sogar Titan ausdrucken. Außerdem seien bald extrem temperaturbeständige Kunststoffe verfügbar, die dann zum Beispiel auch im Kühlkreislauf der alten Fahrzeuge eingesetzt werden könnten.
Ursprünglich waren die Ersatzteile aus dem 3-D-Drucker nur ein Abfallprodukt aus dem Prototypenbau für die Kernmarke Meyle. „Doch irgendwann haben wir darin eine Geschäftsidee erkannt“, sagt Pfeffer. Er fühlt sich durch das große Echo seines Messeauftritts bei der Techno Classica bestätigt. Seitdem hat Wulf Gaertner bereits 50 Aufträge abgewickelt. Vor allem für Zier- und Verkleidungsteile eignet sich die Drucktechnik, für die es allerdings einiger Geduld bedarf. Zwar dauert der Druck selbst nur eine Nacht, und die Lackierung der weißen Kunststoffkomponenten mit täuschend echten Oberflächenstrukturen sei eine Sache von Minuten.
Weil der 3-D-Drucker hauptsächlich Prototypenteile ausspuckt und das Scannen eines Bauteils samt digitaler Reparatur sehr aufwendig ist, erbitten sich die Hamburger aber drei Wochen pro Auftrag. Der Preis für die Teile liegt pauschal bei 350 Euro und damit meist unter den Originalen, sagt Pfeffer. Sobald eine digitale Datenbank für die gängigsten Bauteile erstellt ist, sollen die Preise sinken. Die auf 16 Tausendstel Millimeter genauen 3-D-Teile sollen nicht nur billiger, sondern auch besser sein, sagt Pfeffer. Denn selbst wenn man eine originale und unbenutzte Lenkradverkleidung für einen 30 Jahre alten Mercedes SL ergattere, sei das Kunststoffteil aus dem Regal genauso alt und entsprechend spröde wie das im Fahrzeug. „Gut möglich, dass es deshalb beim Einbau gleich kaputtgeht“, warnt Pfeffer. Die Bauteile aus dem Drucker hingegen seien flexibel und ließen sich problemlos in die jeweilige Halterung einklipsen.