München/Stuttgart. „Harry, hol schon mal den Wagen!“ Wofür Kommissar Derrick noch seinen Assistenten brauchte, reicht den Fahrern des neuen BMW Siebener der intelligente Display- Schlüssel. Denn als erstes Auto aus der Großserie kann die Luxuslimousine automatisch ein- und ausparken, ohne dass der Fahrer im Wagen sitzt. Man stellt das Auto vor der Garage ab, hält die Schlüsseltaste gedrückt und schaut zu, wie das Auto selbstständig auf seinen Platz rollt.
Schritt zum autonomen Fahren
Im Grunde ist das der nächste Schritt zum autonomen Fahren, und BMW ist dabei nicht allein. Denn genau wie die Industrie am anderen Ende des Geschwindigkeitsspektrums am Autobahn-Piloten arbeitet, treibt sie mit Hochdruck das Valet-Parking für jedermann voran (valet = Diener). Als einer der Ersten wird Mercedes den automatischen Rangier-Roboter einführen: Wenn die Schwaben 2016 die neue E-Klasse bringen, dann bekommt die Limousine einen Remote-Park-Piloten, mit dem man die Rangiermanöver über eine App auf dem Smartphone steuern kann. Man steht bis zu drei Meter entfernt vom Wagen, wählt im Menü die entsprechende Situation und schaut zu, wie das Auto mit den ohnehin an Bord verfügbaren Sensoren seinen Weg in die Lücke findet. Für kompliziertere Situationen hat Mercedes einen Explore-Modus programmiert, bei dem sich das Fahrzeug – etwa in Garageneinfahrten – bis zu zehn Meter geradeaus manövrieren lässt und sich dabei schadlos an Hindernissen vorbeitastet.
Es ist eine Erleichterung, wenn man beim Rangieren vor der Garage stehen kann, und Schäden am Lack werden so auch vermieden. Doch mittelfristig wollen die Autohersteller den Freiheitsgrad noch erhöhen. „Wir stellen das Auto vor dem Parkhaus ab, und während der Fahrer schon beim Essen sitzt, rollt der Wagen allein auf seinen Stellplatz“, beschreibt Volvo-Forscher Mikael Thor das Szenario, das bereits seit Monaten getestet wird. An solchen Projekten forschen fast alle Hersteller – und VW geht dabei jetzt noch einen Schritt weiter und entwickelt im Rahmen des Projekts „V-Charge“ auf dieser Basis gerade einen Valet-Dienst für Elektrofahrzeuge. Damit rollen die Prototypen im Parkhaus erst an einen induktiven Ladepunkt, bevor sie sich mit vollem Akku einen freien Stellplatz suchen. Weil die technischen Voraussetzungen dafür größtenteils gegeben sind, rechnet VW mit einer Umsetzung „in naher Zukunft“.