Den Tempomaten auf 130 gesetzt. Der Verkehr fließt. Kein Fleckenteppich, kein Flickwerk. Tempo-80-Schilder, Fahrbahnverengungen und Baustellen – Fehlanzeige. Und dann passiert es doch. Nach 670 Kilometern auf der französischen Autobahn sehe ich dieses Schild. Travaux! Ganz plötzlich stehen da rote Hütchen auf dem Mittelstreifen. Der Grund: Zwei Traktoren mähen Gras neben der A89 in Richtung Bordeaux. Danach ist alles wie vorher. Kein Fleckenteppich, keine Baustellen … Das nennt man wohl fahren wie Gott in Frankreich. Ist man zurück über den Rhein, muss man rot werden. Vor Zorn oder vor Scham. Denn mit „savoir rouler“ hat das hier nichts mehr zu tun.
Wir Deutschen beschäftigen uns lieber voll politischer Schadenfreude mit dem Thema Maut. Von Blamage und von Armutszeugnis für Dobrindt ist zu lesen. Doch ist der heutige Zustand deutscher Autobahnen nicht eher ein Armutszeugnis für die stärkste Volkswirtschaft Europas? Eine Blamage für alle Regierenden und Oppositionspolitiker seit der Wende, allerorts dokumentiert im geflickten Asphalt? Vom Beton der gut 6000 maroden Autobahnbrücken ganz zu schweigen. Beim Thema Maut scheint jeder zu wissen, wie es geht. Doch die Debatte dreht sich nur um die Symptome. Fakt ist, das System „Autobahn“ funktioniert nicht mehr. Es geht nicht darum, ob da ein Kassenhäuschen steht und wer bezahlt. Wir brauchen bessere Autobahnen, gemanagt von professionellen Betreibern. Nicht vom Staat. Denn der kann es nicht, erwiesenermaßen. Deshalb war die Entscheidung in Brüssel eine schlechte. Denn sie verlangsamt das Tempo der Investitionen und schreckt mögliche Investoren ab. Wir Deutschen glauben ja gerne, allemal beim Thema Auto, dass wir es besser können als unsere französischen Nachbarn. Man baut dort nicht nur gute Autos und Autobahnen. Der TGV braucht für die 600 Kilometer von Paris nach Bordeaux ab 2017 zwei Stunden. In dieser Zeit schafft man es mit dem ICE nicht mal von München nach Stuttgart in den Sackbahnhof. Und auf der Autobahn dauert die Fahrt für diese Strecke zu oft länger, je nachdem, wo und wie gerade wieder geflickt wird.