Landsberg am Lech. "Viele getestete Pkw zeigen bei realitätsnaher Messung erhöhte Stickoxid-Werte." Auch wenn die Überschrift der ADAC-Pressemeldung etwas reißerisch formuliert war, sollte ihr weiterer Inhalt doch eine Entwarnung in Sachen Abgasskandal sein. Schon im ersten Absatz heißt es: "Im gesetzlich vorgeschriebenen NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) halten alle geprüften Autos die Grenzwerte ein." Nur wenn man einen anderen Prüfzyklus zugrunde legt – nämlich den vermutlich erst 2021 in Kraft tretenden Weltzyklus WLTC –, sieht das Bild laut ADAC-Technikzentrum anders aus: Rund 90 Prozent der 80 getesteten Euro-6-Dieselfahrzeuge liegen über dem Grenzwert, der freilich nur für den alten Zyklus gilt. Bestes Modell mit einer deutlichen Unterschreitung selbst des künftigen Grenzwerts ist dabei der VW Sharan 2.0 TDI. Die manipulierten Dieselmotoren des Konzerns waren lediglich nach der weniger strengen Abgasnorm Euro-5 zugelassen und werden in Deutschland nicht mehr hergestellt.
Das Problem der Kommunen sind weniger die Emissionen von Stickoxiden (NOX), sondern die Immissionen von Stickstoffdioxid (NO2), die an Messstationen festgestellt werden. Auch für sie gibt es einen Grenzwert: 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresdurchschnitt. Er wird in vielen deutschen Großstädten überschritten. 2014 betrug er im Münchner Zentrum 62 Mikrogramm, am Stuttgarter Neckartor sogar 89 Mikrogramm. Zudem wurde an dieser Messstation ein zweiter Grenzwert überschritten: An maximal 18 Tagen pro Jahr darf es zu einer Konzentration von 200 Mikrogramm NO2 innerhalb einer Stunde kommen. In Stuttgart waren es doppelt so viele Tage.
Zulieferer Bosch hat anhand von Messungen in London gezeigt, dass Immissionen von NOX und NO2 korrelieren. Eine wichtige Erkenntnis, die sicherstellt, dass mit der in Euro-6-Motoren eingesetzten Abgasreinigungstechnik auch das eigentliche Ziel erreicht wird. Michael Krüger, Bosch-Entwickler von Dieseleinspritzsystemen: "Wenn wir die NOX-Emissionen verringern, dann sinken auch die NO2-Imissionen."