München. Auf den ersten Blick ist der deutsche Maschinen- und Automobilbau vorbildlich. 37,2 Prozent beträgt die Ausbildungsbetriebsquote laut dem neuesten Datenreport des Bundesinstituts für Berufsbildung. Das ist mehr als in jedem anderen der 20 darin ausgewiesenen Wirtschaftssektoren. Auch der Autohandel liegt mit 25,1 Prozent weit dahinter.
Doch blättert man im Anhang des mehrere Hundert Seiten starken Dokuments eine Seite weiter, dreht sich das Verhältnis um. Bei der Ausbildungsquote, die angibt, wie stark im Verhältnis zur eigenen Beschäftigtenzahl ausgebildet wird, liegt der Kfz-Handel vorn. Mit starken 7,5 Prozent im Vergleich zu 5,5 Prozent in der Industrie, die nur noch im Mittelfeld landet.
Ein Grund für Letzteres könnte sein, dass die Autoindustrie insbesondere im Bereich der technischen Berufe häufig Mitarbeiter übernimmt, die ursprünglich in einer Autowerkstatt ausgebildet wurden. Eine Option, die vor allem den Herstellern dank ihres hohen Lohnniveaus offensteht und auf die das Kfz-Gewerbe letztlich nur mit mehr eigener Ausbildung – quasi auf Reserve – reagieren kann. Allerdings werden die Unterschiede etwas geringer. Während die Zahl der Auszubildenden in der Industrie seit 2007 um 5,9 Prozent gestiegen ist, sank sie in Handel und Service um 7,2 Prozent. Dabei haben beide Sektoren steigende Beschäftigtenzahlen, die Industrie aber in höherem Maße. In der Gesamtheit aller Ausbildungsberufe ging es bei den Azubizahlen dagegen steil nach unten: um 9,1 Prozent.
Bei der Förderung von Mitarbeitern, die bereits im Betrieb sind, hat die Industrie die Nase klar vorn. Mit 39,6 Prozent weist der Sektor Maschinen- und Automobilbau den höchsten Anteil von Betrieben mit Förderung von Aufstiegsfortbildungen unter allen 20 Sektoren auf. Das Kfz-Gewerbe kommt da nur auf 14,7 Prozent, liegt aber immer noch über dem Durchschnitt aller Branchen.