Stuttgart. In Baden-Württemberg könnte bald ein zweites deutsches Testfeld für autonomes Fahren entstehen. Anders als auf der vom Bund geförderten Strecke auf Bayerns A9 sollen dabei auch Stadt- und Landstraßen einbezogen werden. Das Konzept wird derzeit vom Arbeitskreis "Intelligent Move" erarbeitet, der Anfang 2015 auf Drängen von Nils Schmidt (SPD) gegründet wurde. Der stellvertretende Ministerpräsident des Autolands Baden-Württemberg lag schon damals mit dem aus Bayern stammenden Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) im Clinch, wo das Testfeld eingerichtet werden solle.
Über den Sinn eines weiteren Probegebiets habe es in Baden-Württemberg intensive Diskussionen gegeben, berichtete ein Teilnehmer des Arbeitskreises, der ungenannt bleiben möchte. "Anfangs haben die großen Firmen signalisiert, dass sie es nicht bräuchten, weil sie ja ohnehin jederzeit Ausnahmegenehmigungen bekämen." Erst auf Intervention kleinerer Zulieferer sei die Erkenntnis gereift, dass Innovationen so schneller marktreif würden.
Das A9-Testfeld soll vor allem das Zusammenspiel zwischen intelligenter Straße und autonomen Autos untersuchen. Daher sind dort auch Sendemasten für die auf den LTE-Standard folgende Mobilfunktechnik 5G geplant, die Übertragungsraten von bis zu einem Gigabyte pro Sekunde bietet. Allerdings ist der Wert der teuren Kommunikationsinfrastruktur umstritten. So will Daimler zwar Autos entwickeln, die auch Daten über den Straßenzustand verarbeiten können, sich aber nicht auf diese verlassen. "Sonst könnten wir ja nur dort autonom fahren, wo es spezielle Infrastruktur gibt", sagt Ralf Guido Herrtwich aus der Daimler-Forschung. "Ordentliche Spurmarkierungen und eine saubere Fahrbahn helfen beim sicheren autonomen Fahren mehr als mancher Funkmast." Gute Aussichten für Baden-Württemberg, wo nicht nur das Auto, sondern auch die Kehrwoche erfunden wurde.