München. Der US-amerikanische Rennfahrer hatte im Jahr 2000 einen schweren Unfall bei einer Testfahrt für seine vierte Saison in der Indy Racing League. Doch mit diversen Hightech-Hilfsmitteln wie etwa sieben Sensoren auf seiner Baseballkappe und vier Infrarotkameras im Cockpit absolviert er jetzt wieder seine Runden. „Als mir nach dem Unfall bewusst wurde, dass ich den Rennsport vielleicht aufgeben muss, war ich am Boden zerstört“, erzählte Schmidt im Gespräch mit der Automobilwoche am Rande der Technologiemesse Electronica in München. Aber Schmidt ließ sich nicht unterkriegen. Er wollte weiter Auto fahren – am liebsten in Indianapolis. Gemeinsam mit dem Elektronik-Dienstleister Arrow, mit Experten für drahtlose Datenübertragung und Chiptechnologie, mit Software-Designern und einem Neuromediziner konzipierte er seine einzigartige Corvette C7. Mit Kopfneigungen nach rechts und links kann er die Vorderachse steuern. Ein kräftiger Druck mit dem Kopf in die Kopfstütze bewegt das Gaspedal, und ein kleiner Sensor für den Mund, auf den Schmidt mit seinen Zähnen beißt, lässt den Wagen bremsen. Alle von Schmidts Körper ausgelösten Signale werden in der Schaltzentrale, einem großen Server im Kofferraum, gebündelt – wie auch die GPS-Daten des Autos. Für diese Arrow Corvette SAM („semi-autonomous motorcar“) haben die Entwickler vorhandene Technik genutzt und neu programmiert. „Deswegen war der Aufwand auch verhältnismäßig gering“, sagt ein Arrow-Manager. Knapp eine Million Dollar floßen in die Umrüstung der halbautonomen Corvette. Im Mai 2014, nur fünf Monate nachdem die Spezialisten ihre Arbeit an der Corvette begonnen hatten, fuhr Schmidt seine C7 zum ersten Mal – in Indianapolis. Mit einem Lift ließ er sich vor dem Start der Rennserie Indy 500 in den Wagen hieven und erreichte auf dem Kurs eine Höchstgeschwindigkeit von fast 100 Meilen pro Stunde (rund 140 km/h). „Der Moment war großartig, Angst hatte ich nie. Es war alles so normal – als wäre ich nie weggewesen“, erinnert sich Schmidt. Aber er will mehr. „Derzeit kann ich nur 100 Meilen pro Stunde fahren, ich will aber die 200 schaffen“, sagt er. „Außerdem arbeiten wir an einer Lizenz für öffentliche Straßen.“ Dafür müsste noch mehr Technik ins Auto – eine Sprachsteuerung etwa, mit der Schmidt den Motor starten oder den Rückwärtsgang einlegen könnte. Derzeit aber fährt der Ex-Rennfahrer nie ohne einen Techniker an der Seite, der auf dem Laptop alle Steuerkommandos kontrolliert. Die Gefahr sei einfach zu groß, dass die Technik ausfällt. „Mein Traum ist es, meine Kinder irgendwann einmal zum Training zu fahren oder von der Schule abzuholen – so wie jeder andere Vater auch.“
Querschnittsgelähmter Rennfahrer
Kopfgesteuert über den Speedway in Indianapolis
Wenn Sam Schmidt mit seiner 460 PS starken Corvette C7 Stingray über den Speedway in Indianapolis fährt, sieht es aus, als hätte er nie etwas anderes getan. Doch ein genauer Blick zeigt: Schmidts Fahrt ist eine Sensation – der 50-Jährige ist von den Schultern abwärts gelähmt.