München. Die spanische Wettbewerbsbehörde CNMC hat Bußgelder in Höhe von 171 Millionen Euro gegen 21 Autohersteller und Importeure sowie zwei Beratungsunternehmen verhängt.
Laut CNMC haben die Unternehmen zwischen Februar 2006 und August 2013 wirtschaftlich sensible und strategisch wichtige Informationen in Vertrieb und Service von Automobilen auf dem spanischen Markt systematisch ausgetauscht und somit ein Kartell gegründet.
Die Firmen hätten damit gegen Artikel 1 des Wettbewerbsrechts und gegen Artikel 101 des EU-Vertrags verstoßen. Betroffen waren demnach alle Geschäftsbereiche vom Autovertrieb über die Vergütung von Werkstattarbeiten bis zum Teileverkauf.
Die Absprachen zum Vertrieb hätten im Rahmen von "Brand Clubs" stattgefunden, seit 2009 unter Beteiligung der Beratungsfirma Snap-on. Ab 2010 habe man in "Aftersales Directors Meetings" zusammen mit Urban Science Espańa auch Service-Informationen ausgetauscht, analog sei dies im Bereich Marketing bei "Constructor Days" geschehen.
Laut CNMC behinderten die Absprachen den Wettbewerb auf dem spanischen Markt, was sich auch in geringeren Preisnachlässen geäußert habe. Die verhängten Bußgelder lagen zwischen 0,1 und 2,0 Prozent des Jahresumsatzes 2014 der Unternehmen. Ermittelt wurden die Verstöße im Zusammenhang mit einem Antrag, den Seat gestellt hatte. Weil er als Kronzeuge fungierte, blieben ihm und den spanischen Importeuren von VW, Audi und Porsche Bußgelder in Höhe von mehr als 39 Millionen Euro erspart.
Branchenanwalt Christian Genzow äußerte gegenüber der Automobilwoche "ernsthafte Zweifel, dass das auf den spanischen Markt begrenzt ist". Antje Woltermann, Vorsitzende der European-Car-Dealers(ECD)-Abteilung im EU-Verband Cecra, will das Thema am 2. Dezember auf die Tagesordnung bringen.