Lissabon. Infiniti will sich neue Kundengruppen erschließen und mit neuen Modellen die weltweit am schnellsten wachsende Premiummarke weiter befeuern. Deshalb wagt sich die noble Nissan-Schwester zum Jahreswechsel mit dem Q30 erstmals in die Kompaktklasse.
Der mindestens 24.200 Euro teure Fünftürer ist eines von 13 Kooperationsprojekten zwischen Renault-Nissan und Daimler. Das Auto nutzt Architektur und Antrieb der A-Klasse. Beim Design gehen die Japaner ihren eigenen Weg: Mit etwas mehr Bodenfreiheit sowie einer bulligeren Statur steht der Q30 zwischen A-Klasse und GLA. Zudem plant Infiniti aus dem gleichen Baukasten für nächstes Frühjahr auch noch einen QX30, der dann vollends zum Geländewagen werden soll. In den meisten Märkten habe jeweils eines dieser Modelle das Zeug zur meistverkauften Baureihe im Portfolio, sagt ein Manager aus der Hongkonger Firmenzentrale. Sie sollen den Absatz von weltweit 136.700 Fahrzeugen in den ersten acht Monaten auf bis zu 250.000 im Jahr 2016 nach oben treiben.
Auch in Deutschland erhofft sich Infiniti vom Q30 nach 841 Zulassungen in den ersten neun Monaten einen kräftigen Schub, muss dafür aber erst einmal sein Vertriebsnetz auf Vordermann bringen. Denn bislang gibt es nur sechs Händler und einen Servicepartner. "2016 sollen alle wichtigen strategischen Punkte im Händlernetz geschlossen werden und zusätzlich mehrere Servicepartner ihren Dienst aufnehmen", sagt Michael Briante, der die Region Deutschland, Österreich und Schweiz verantwortet.
Zwar hat Daimlers Schützenhilfe das Entwicklungsbudget stark entlastet und die Terminierung beschleunigt, doch zum Nulltarif gelingt den Japanern der Sprung in die Kompaktklasse nicht: Für den Q30 und seinen Bruder QX30 mussten sie das Nissan-Werk im englischen Sunderland für 350 Millionen Euro ausbauen. Und Daimler bekommt ebenfalls eine Plattform: Im Gegenzug für die Herausgabe der A-Klasse liefert Nissan den Schwaben die Basis für den ersten Pick-up von Mercedes.