München. Der größte russische Autohersteller AvtoVAZ, an dem die Renault-Nissan-Allianz mehr als 50 Prozent hält, kämpft mit einigen Zulieferern. So musste zuletzt die Produktion wegen fehlender Sitze, Abgasanlagen und Sensoren unterbrochen werden. Die ungeplante Pause dauerte 24 Stunden, beim SUV-Modell Lada 4x4 gar zwei Tage. Es war nicht das erste Mal, dass Lieferanten einen Stillstand verursachten. Im November wurde die Produktion der Modelle Granta und Kalina gleich mehrere Tage lang gestoppt. Außerdem verließen viele Autos mit fehlenden Teilen das Montageband.
Bo Andersson, ehemaliger Einkaufschef von General Motors und seit Anfang 2014 Chef von Avto-VAZ, verlangt bessere Qualität und niedrigere Preise. Er legt sich deshalb mit einigen Zulieferern an, darunter frühere Großbetriebe aus der Sowjet-Ära. „Vielleicht werden sie mich töten wollen, doch damit werden sie das Problem nur verschlimmern. Ich habe keine Angst“, sagte Andersson vor einigen Monaten der Lokalzeitung „Samarskoje Obosrenije“. Bereits im vergangenen Herbst trafen mehrere Chefs großer Lieferanten Politiker der Samara-Region und legten ihre Standpunkte dar. Laut Andersson haben sich 15 Firmen gar an den Präsidenten Wladimir Putin gewandt und beklagt, dass AvtoVAZ die Preise drücke und Zahlungsziele verlängere. Kritisiert wurde auch, dass ausländische Zulieferer ins Land geholt werden.
AvtoVAZ kauft Teile-Holding
Viele Probleme machte zuletzt die OAT-Holding, der größte Lieferant von AvtoVAZ. „Es wird nichts getan, um moderne Anforderungen zu erfüllen“, klagte Andersson noch im Frühjahr. OAT wird von der Staatsfirma Rostec, die in Partnerschaft mit Renault-Nissan Großaktionär von AvtoVAZ ist, kontrolliert. Der Autohersteller will nun die Holding unter seine Kontrolle bringen. Schon vor der Übernahme kam es zu wichtigen Änderungen: Das Topmanagement wurde ausgetauscht, AvtoVAZ greift den OAT-Firmen mit Geld und Managern unter die Arme. Neben OAT ist AvtoVAZ auch an anderen Lieferanten interessiert. So laufen gerade Gespräche über die Übernahme der Sitzeproduktion von AvtoVAZagregat.