Aachen. In der Universitätsstadt Aachen geht im ersten Quartal 2016 einer der modernsten Fahrsimulatoren der Welt in Betrieb. Bei dem Zehn-Millionen-Projekt, das zum Teil aus Mitteln des Bundesforschungsministeriums finanziert wird, handelt es sich um einen hochdynamischen Simulator, der Querbeschleunigungen von bis zu zwölf Meter pro Sekunde im Quadrat erlaubt – also rund die 1,2-fache Erdbeschleunigung. Vergleichbare Experimentiereinrichtungen gibt es sonst nur im Daimler-Entwicklungszentrum Sindelfingen sowie bei Toyota.
Die hohen, von Linearmotoren erzeugten Querbeschleunigungen dienen vor allem dazu, hochdynamische Fahrmanöver zu erforschen. "So können wir beispielsweise untersuchen, wie Fahrer hochautomatisierter Autos auf Notfallsituationen reagieren", erläutert Lutz Eckstein, der das Institut für Kraftfahrzeuge an der RWTH Aachen leitet. Einen Untersuchungsschwerpunkt stellen hochintegrierte Fahrerassistenzsysteme dar. Werden bislang einzelne Funktionen entwickelt, sollen künftig das Zusammenspiel aller Assistenzsysteme und deren Interaktion mit dem Fahrer getestet werden.
Die Akzeptanz technischer Hilfen durch den Fahrer steht auch im Zentrum der Arbeit am Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKFS). Dieses betreibt seit Mitte 2012 einen Fahrsimulator, der auch nach der Eröffnung in Aachen weltweit einzigartig bleiben wird: Er erzeugt nur Beschleunigungen bis zu 6,5 Meter pro Sekunde im Quadrat, aber dafür sowohl in Längs- als auch in Querrichtung. Dadurch lässt sich automatisiertes Fahren insbesondere im Stadtverkehr sehr realistisch simulieren. "Die Prüfstande in Aachen und Stuttgart ergänzen sich gut", sagt FKFS-Vorstandsmitglied Hans-Christian Reuss.