München. Das Geschäft mit den besonders sportlichen und vor allem außergewöhnlich individuellen Sportwagen brummt, doch allzu genau wollen sich die kleinen Töchter der großen Autohersteller nicht in die Karten schauen lassen. Konkrete Zahlen zu Umsatz oder Gewinn veröffentlichen sie nicht. Die in Neckarsulm ansässige Quattro GmbH nennt zumindest für das Zeitfenster von 2010 bis 2012 ein Umsatzwachstum von 20 Prozent. Die RS-Modelle und der R8 des edlen Audi-Tuners brachten es im vergangenen Jahr auf 16.000 Verkäufe – zwei Jahre zuvor waren es erst 11.500. Gefragt sind die PSstarken Pkw vor allem in Deutschland, den USA, Großbritannien, der Schweiz und Italien. Die Ingolstädter richten sich aber auch auf Wachstumsmärkte wie China, Russland und den Mittleren Osten ein und wollen in den USA weiter zulegen. Der RS 7 Sportback wurde deshalb maßgeblich nach den Anforderungen der amerikanischen und chinesischen Kunden entwickelt. Zum Quattro-Geschäft gehört auch die Individualisierung der Autos mit den vier Ringen unter dem Label „Audi exclusive“. Und Audi-Kunden lieben es individuell. Selbst den Kleinwagen A1 gibt es in 800 Varianten. Im Jahr 2009 wurden 100.000 Autos den Kundenwünschen angepasst, im vergangenen Jahr waren es schon 160.000, und im Jahr 2015 soll die Marke von 200.000 geknackt werden.
Viel Profit mit vielen PS
China und die USA sind auch im Geschäft von AMG der wesentliche Treiber, der Unternehmenschef Tobias Moers zu optimistischen Prognosen beflügelt: 32.000 Fahrzeuge brachte er im Jahr 2013 an die Kunden, im vergangenen Jahr waren es schon 40.000. Im Jahr 2017 will Moers bereits auf einen Absatz von 64.000 AMGs kommen. Er hofft dabei auch auf finanzstarke Kunden in Indien und Brasilien. Mercedes-AMG wurde wie Mercedes-Benz durch zwei Männer geprägt: Hans-Werner Aufrecht und Erhard Melcher. Die erste Werkstatt gründeten die beiden Enthusiasten in einer alten Mühle. Das Firmenschild ließ keinerlei Rückschlüsse mehr auf die ursprüngliche Betriebsstätte zu und lautete: „Ingenieurbüro – Konstruktion und Versuch zur Entwicklung von Rennmotoren“. Das Ergebnis des ersten Kooperationsvertrags aus dem Jahr 1990 zwischen AMG und der damaligen Daimler-Benz AG war der C 36 AMG. Im Jahr 1999 begann die Eingliederung in den Konzern, und seit 2005 ist AMG 100-prozentige Tochter und technologische Speerspitze der High-Performance-Automobile von Daimler und die Sportwagen- und Performance- Marke von Mercedes- Benz Cars.
Der Erfolg von Audis Quattro GmbH hängt wesentlich mit einem technologischen Meilenstein in der Geschichte der Ingolstädter zusammen: der Entwicklung des Allradantriebs Quattro und dem Bau des 200 PS starken Audi Quattro, der die Rallyesport- Erfolge von Walter Röhrl in den Jahren 1984 bis 1987 ermöglichte. Geschäftszweck der 1983 gegründeten Quattro GmbH war zunächst der Handel mit hochwertigen Accessoires, insbesondere Lederbezügen. Seither ist die Angebotspalette extrem gewachsen. In der Sparte „Audi exclusive“ werden 100 Farben für das Exterieur, 16 für das Interieur sowie auf Kundenwunsch individuell angefertigte Farben angeboten. Daneben werden spezielle Kleinserien aufgelegt, wie beispielsweise der RS 4 Nogaro Selection, der seine Premiere auf dem Genfer Auto-Salon 2014 feierte. Der 450 PS starke RS 4 ist eine Reminiszenz an den RS 2 und mit edelsten Materialien ausgestattet. Bei Audis bayerischem Konkurrenten BMW ist die Gründungsgeschichte der M GmbH mit einer der schillerndsten Gestalten im weltweiten Automobilgeschäft verknüpft. Bob Lutz, der im Vorstand aller drei großen US-Autobauer saß, hob im Olympiajahr 1972 die BMW Motorsport GmbH aus der Taufe, die heute als BMW M GmbH firmiert. Mit im Boot saß damals das Buchloer Unternehmen Alpina von Burkard Bovensiepen, das zusammen mit BMW-Ingenieuren den BMW 3.0 CSL auf die Räder stellte. Im Jahr 1978 wurde der BMW M1, das erste Wettbewerbsauto der Motorsport GmbH, gebaut. Der 100.000 DM teure und nur 1,14 hohe Sportwagen wurde 460- mal gebaut und erreichte in der ProCar-Rennserie weltweit Beachtung. Die ersten Serienfahrzeuge mit dem „M“ waren 1984 der M635 CSi und der M5. Sportlich am erfolgreichsten war der erstmals 1986 vorgestellte M3, mit dem Roberto Ravaglia 1987 die Tourenwagen-Weltmeisterschaft für sich entschied. Und das Angebot des bayerischen Edeltuners wächst beständig. Mittlerweile gibt es eine neue BMW M3 Limousine, das neue BMW M4 Coupé und Cabrio, die BMW M5 Limousine und den M6 als Coupé, Cabrio und Gran Coupé sowie die beiden neuen Modelle BMW X5 M und BMW X6 M. Im laufenden Jahr wird der M2 die Palette nach unten erweitern. Wohl auch, um dem 360 PS starken Mercedes- Benz A 45 AMG Paroli zu bieten. Die M Performance Automobile M135i als Drei- und Fünftürer, M235i als Coupé und Cabrio, M550d als Limousine und Touring, X5 M50d sowie X6 M50d komplettieren die Modellpalette der M GmbH. Im Geschäftsjahr 2013 verkaufte sie weltweit mehr als 31.000 Autos, davon über 14.000 M Performance Automobile. Bei AMG erreicht der Trend zu individueller und PS-starker Mobilität im Luxussegment nun auch das Fahren auf zwei Rädern: Die Schwaben kooperieren mit dem Motorradhersteller MV Agusta, von dessen Anteilen sie 25 Prozent halten. In Marketing und Vertrieb wollen die beiden Traditionsmarken zusammenarbeiten. „In MV Agusta haben wir den perfekten Zweirad-Partner für Mercedes-AMG gefunden“, sagt AMG-Chef Tobias Moers.