Schanghai. „Von China in die Welt“ ist das Motto von Francis Man. Vor vier Jahren sandte ihn Continental nach Schanghai, um dort ein Innovationsteam aufzubauen, das vor allem neue Apps und Geschäftsmodelle rund um das vernetzte Fahrzeug für den chinesischen Markt entwickelt.
Ein Programm, das Man leitet, ist die „Trend Antenna China“ – ein Trendscouting-Programm, bei dem er in diesem Jahr mit 18 Studenten von fünf Universitäten in Schanghai zusammenarbeitet. „Wir wollen, dass der chinesische Geist in unsere Ideen hineinfließt, und uns daran orientieren, was die Studenten von den künftigen Technologien und Geschäftsmodellen im Auto erwarten.“
An welchen Projekten Man gerade arbeitet, will er nicht verraten. Aber es falle ihm in China leichter, kreativ zu sein, weil die Chinesen viel offener für neue Trends sind. „Die werden auf den Markt geworfen und dann getestet. Anders als in Deutschland, wo ein Produkt perfekt sein muss.“
Die chinesische „Always-on-Mentalität“, wie Man sie nennt, wird vor allem beim Verabreden zum Essen deutlich, das meist über Apps erfolgt, über die auch die Mahlzeit im Restaurant via Alipay bezahlt wird. Alipay ist das chinesische Pendant zu Paypal und macht das Bezahlen über das Smartphone möglich. 300 Millionen registrierte Nutzer zählt dieser Dienstleister in China. „Diesen Trend müssen wir nicht nur wahrnehmen, sondern auch in unsere Modelle einarbeiten, denn für die Großstädter in China ist es mittlerweile normal, über das Smartphone zu zahlen.“
Da das Auto immer mehr als mobiles Endgerät wahrgenommen wird, sind diese Impulse aus anderen Branchen für Man notwendig. „Man muss über den Tellerrand schauen und sich vom Dunstkreis Auto entfernen, sonst findet man keine Geschäftsmodelle, die neue Anreize für die Hersteller und die Endkunden bieten“, sagt er. Aus diesem Grund entwickelt Conti in China für China. „Und ich bin überzeugt, dass Apps und Technologien, die von den Chinesen angenommen werden, irgendwann auch in anderen Märkten sehr gut funktionieren“, sagt Man.