Gent. Der Trend zum autonomen Fahren versetzt Datensammler wie TomTom in eine wahre Goldgräberstimmung: „Wenn uns die Autos künftig selbstständig chauffieren wollen, müssen sie dafür weiter vorausschauen können, als das mit ihren Sensoren möglich ist“, sagt Pieter Gillegot-Vergauwen, Leiter des Maps-Produktmanagements des Navigationszulieferers. Diesen Weitblick könne nur eine digitale Karte liefern. Weil die aktuellen Navigationsdatenbanken dafür nicht detailliert genug seien, eröffne sich in einem nahezu gesättigten Markt plötzlich riesiges Potenzial für neue Produkte, erklärt Gillegot-Vergauwen.
Den Anfang dazu hat TomTom mit der sogenannten HD-Map bereits gemacht. Sie bildet die Wirklichkeit sehr viel detaillierter ab und zeigt zum Beispiel Fahrbahnmarkierungen oder die Mitte der Spur, damit ein autonomes Auto selbstständig seinen Weg finden kann. Für die Entwicklungsstandorte der Autohersteller existiert diese Karte bereits. Nun will TomTom die vier höchsten Straßenkategorien in Europa und den USA auf diesen Datenstand bringen. Wie lange es dauert, bis die vielen Millionen Straßenkilometer erfasst sind, will Gillegot-Vergauwen nicht konkret sagen. „Aber wir brauchen dafür keine fünf Jahre mehr.“
Weil beim autonomen Fahren alles an einer möglichst präzisen Positionsbestimmung hängt, will TomTom zeitgleich mit einem zweiten Produkt Unschärfen des GPS-Systems ausgleichen: Road-DNA heißt diese digitale Karte, die ein stark komprimiertes 3-D-Bild des Straßenrands umfasst. So kann die Software im Auto das Bild der Kameras mit dem Datensatz abgleichen und daraus den Standort ermitteln, erläutert Gillegot-Vergauwen: „Bei 120 km/h funktioniert das längs auf 50 und in der Breite auf 15 Zentimeter genau.“
Vorlieben des Fahrers kennen
Ein autonomes Auto müsse aber nicht nur die Strecke, sondern auch die Vorlieben der Fahrer kennen. Deshalb entwickelt TomTom als drittes Produkt eine Datenbank, in der für jeden Streckenabschnitt die tatsächlich bevorzugte Geschwindigkeit hinterlegt wird. „Denn man wird sich weder in einem Auto wohlfühlen, das immer das maximal mögliche Tempo fährt, noch in einem, das für unser Empfinden viel zu langsam unterwegs ist.“ Für die Erfassung dieser Daten hat TomTom weltweit eine Flotte von 70 „Mobile Mapping Vans“ im Einsatz, die mit Laser- und Radarsensoren, Kameras und GPS-Empfängern ausgestattet sind.
Auf den ersten Blick mag die Flotte klein erscheinen – selbst wenn die mobilen Hightech-Scanner im Jahr mehr als drei Millionen Kilometer erfassen und jeder Wagen pro Woche vier Terrabyte an Daten generiert. Doch TomTom hat spezielle Algorithmen, die eine effiziente Streckenplanung für die Vans ermöglichen. Gillegot-Vergauwen will sich ohnehin nicht mehr lange allein auf seine Fahrzeuge verlassen: „Irgendwann werden wir die Sensoren der autonomen Autos nutzen können, um mit deren Informationen unsere Daten auf den neuesten Stand zu bringen.“ Dann wird die Datenbasis mit jedem Fahrzeug auf der Straße detaillierter und aktueller.