München. Das Aftersales-Geschäft hat schon so manche Händlerbilanz gerettet. Lange Zeit kannte es nur eine Richtung: stetig nach oben (siehe Grafik). Doch das hat sich geändert: Dem deutschen Kfz-Gewerbe ist 2014 im Werkstattbereich eine Milliarde Euro Umsatz weggebrochen. Die Zahl der Werkstattaufträge sank um sechs Millionen. Und die Kunden gaben für die Wartung ihres Pkw im Schnitt nur noch 245 Euro aus – 16 Euro weniger als 2013. Auch die Erträge aus Garantie- und Kulanzarbeiten schrumpfen. Denn qualitativ immer bessere Autos müssen seltener in die Werkstatt.
Das bleibt nicht ohne Folgen. So traf der Anstieg der Insolvenzen im deutschen Kfz-Gewerbe im ersten Halbjahr vor allem die Werkstätten. Damit geschehe jetzt im Aftersales, was der Handel schon hinter sich hat, erläutert Willi Diez, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA): Die Werkstätten – früher gerne als „Ertragsrückgrat der Branche“ gelobt – geraten gleich von mehreren Seiten unter Druck.
Schon jetzt leiden die Betriebe unter der sinkenden Auslastung. 2014 lag sie bei 81 Prozent, 2011 waren es noch 84 Prozent. Und das Servicemarktpotenzial in Deutschland von aktuell rund 150 Millionen Arbeitsstunden pro Jahr könnte bis 2025 um weitere 15 Prozent auf knapp 128 Millionen sinken, wie eine IFA-Studie im Auftrag von Dekra ermittelte. „Es mehren sich die Symptome, dass das Servicegeschäft in Zukunft kein Selbstläufer mehr sein wird“, befürchtet IFA-Direktor Diez und empfiehlt dringend, „das Aftersales-Geschäft zur Chefsache“ zu machen.