Hockenheim. Bei den meisten Sportveranstaltungen sagt die Liste der Sponsoren wenig über das Ereignis selbst aus. Bei der Formula Student Germany ist das anders, denn viele der Rennteams motiviert vor allem die lange Liste klangvoller Namen der Unterstützer aus der Autoindustrie. Von A wie Adam Opel bis Z wie ZF Friedrichshafen. Und wer nicht Sponsor der Veranstaltung selbst ist, findet als Teamsponsor sein Logo auf diversen Boliden. Denn keiner will fehlen.
Mit Höchstgeschwindigkeit zur Karriere
In den zehn Jahren seit der Gründung haben sich die Rennen zu einem Schaulaufen von Studenten und Autoindustrie gleichermaßen entwickelt. Dort finde man Top-Talente, heißt es beispielsweise von Continental. Daimler lobt den Wettbewerb als „eine ideale studienbegleitende Aktivität“. Porsche erklärt: „Wir freuen uns, engagierte Formula-Student-Teilnehmer im Rahmen vielfältiger Einstiegsmöglichkeiten bei Porsche begrüßen zu dürfen.“ Und in Wolfsburg freut man sich, Nachwuchsingenieure „durch unser Expertenwissen zu unterstützen, sie über unsere vielfältigen Einstiegsmöglichkeiten zu informieren und für den attraktiven Arbeitgeber Volkswagen zu begeistern“.
Auch bei den Studenten hat sich die Formula Student in ihrem zehnten Jahr längst etabliert. Waren es zum Anfang erst elf Teams aus vier Ländern, kamen 2015 etwa 110 Teams mit rund 3800 Studenten aus aller Welt zum Hockenheimring, um sich sechs Tage lang mit ihren selbstgebauten Rennwagen zu messen. Beworben hatten sich sogar 200 Mannschaften, doch die Zahl der Startplätze ist limitiert.
Mit „Global Formula Racing“ holte sich ein grenzübergreifendes deutsch-amerikanisches Team den Titel bei den Verbrennungsmotoren, der mit 75 Startern größeren der beiden Klassen. Bei den Elektroautos hatte ein Team von der TU Delft in den Niederlanden die Nase vorn.
„Es gibt nur noch zwei innovative Formen von Motorsport – die eine ist die Formel 1, die andere ist die Formula Student.“ Keinem Geringeren als Ross Brawn werden diese Worte zugeschrieben, dem ehemaligen Chef des Formel- 1-Rennstalls von Mercedes. Innovativ dürfen, ja müssen die Studenten dabei wirklich sein, um ein Rennauto zu bauen, das allen Anforderungen gerecht wird.
Anders als bei den meisten Rennen gewinnt bei der Formula Student nämlich nicht unbedingt der Schnellste, sondern der Beste in insgesamt acht Disziplinen. Und bei drei Wettbewerben bleibt das Auto sogar stehen, denn die Studenten müssen einen Businessplan für eine Kleinserienfertigung entwerfen, die Wünsche einer fiktiven Zielgruppe berücksichtigen, Kosten berechnen und ihre Ergebnisse vor Experten verteidigen.
In den fünf dynamischen Disziplinen darf dann das Gaspedal durchgetreten werden. Doch auch hier geht es anders zu als bei klassischen Rennen. So gibt es einen Teil der Punkte für das schnelle Durchfahren einer Acht, und auch die Energieeffizienz wird bewertet. Daneben gilt es, aus dem Stand zu beschleunigen – und natürlich auch eine Rennstrecke möglichst schnell zu bewältigen.
Die Studenten bringen bei der Formula Student Rekordleistungen – im Wortsinne. Denn der Beschleunigungsweltrekord für Elektroautos wird von einem Formula-Student-Auto gehalten. Das Vorjahresfahrzeug des „Green- Team Uni Stuttgart“ schaffte es in nur 1,779 Sekunden von null auf 100. Mit dem Auto für dieses Jahr wurde das Team in Hockenheim Dritter.