Geislingen. Die großen Autohandelsgruppen in Deutschland hängen die kleinere Konkurrenz in Sachen Profitabilität ab. Im Jahr 2014 kamen die 100 größten Unternehmen auf eine Umsatzrendite von 1,2 Prozent und lagen damit 0,2 Punkte über dem Branchendurchschnitt, wie eine Erhebung des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) zeigt, die der Automobilwoche exklusiv vorliegt.
Noch 2013 lagen die Großen und der Branchendurchschnitt mit 1,3 Prozent gleichauf. Eine Erhebung auf Basis von Daten aus dem Jahr 2011 sah die Top 20 sogar unter dem Branchenschnitt. Darüber hinaus gibt es aber kaum verlässliche Zahlen. Die zuletzt schrumpfenden Margen haben die Großen offenbar besser verkraftet. Unter ihnen schrieben 2014 nur fünf Prozent rote Zahlen, branchenweit waren es 30 Prozent. Und die zwei Prozent, die oft als eigentlich notwendige Mindestmarge genannt werden, schafft bei den Großen jeder Siebte. Bei den Kleinen nur einer aus 50.
Synergie schafft Marge
Dass die Gruppen die Nase vorn haben, ist auch deswegen bemerkenswert, weil sie oft in Ballungszentren angesiedelt sind „und daher höhere Personal- und Immobilienkosten zu tragen haben“, wie IFA-Direktor Willi Diez sagt. „Offensichtlich können sie diesen Nachteil über Synergieeffekte und größenbedingte Einkaufsvorteile ausgleichen.“ Besonders beim immer wichtigeren Geschäft mit jungen Gebrauchten haben die Gruppen laut Diez Vorteile, weil sie diese Autos vom Hersteller in großen Paketen günstiger beziehen. Und auch das Heben von Synergieeffekten durch ein gemeinsames Backoffice für mehrere Standorte machten die Autobauer ihnen inzwischen leichter.
Das Werkstattgeschäft als wichtige Ertragsquelle gerade für die kleineren Betriebe gerät dagegen unter Druck und erfordert immer größere Investitionen. Auch das ist für die großen Gruppen leichter zu stemmen.
Alles in allem ist es folgerichtig, dass die großen Handelsgruppen derzeit bundesweit auf Einkaufstour sind – wie zuletzt Senger, Scherer und Nützel.