„Was machen Sie, wenn die Blase in China platzt?“, hatte ich Martin Winterkorn vor eineinhalb Jahren gefragt. Da platze nichts, war seine Antwort. Er habe Xi Jinping und Li Keqiang getroffen. Die hätten das im Griff. Recht hatte der Volkswagen-Chef. Die Blase ist nicht geplatzt. Aber die Luft ist dennoch raus. Mit Schäubles Worten heißt das, der Auto-Boom in China „isch over“ – fürs Erste. Sollen sich doch die Ökonomen streiten, ob das eine Deflation ist. Fakt ist, die Preise fallen schneller, als es der chinesischen Regierung lieb ist. Die Nachlässe bei den meisten Automarken sind bereits zweistellig. Tendenz steigend.
GM hat in amerikanischer Manier für fast alle Modelle die Listenpreise um zehn Prozent gesenkt. Ein Hersteller nach dem anderen korrigiert gerade die Zielvorgaben für die chinesischen Autohändler, von denen schon im vergangenen Jahr mehr als zwei Drittel rote Zahlen schrieben. Volkswagen hat deshalb bereits eine „Anzahlung“ von 160 Millionen Dollar an seine FAW-VW-Händler überwiesen, in weiser Voraussicht. Denn chinesische Händler sind mächtig, seit Oktober 2014 sogar noch ein bisschen mehr. Seitdem benötigt ein Händler für seine Geschäftslizenz nicht mehr die Autorisierung eines Herstellers. Jetzt kann er jederzeit die Marke wechseln.
Das prognostizierte Wachstum des chinesischen Automarkts liegt nur noch bei drei Prozent. Willkommen in ganz normalen Verhältnissen. Ab jetzt gehört auch in China zum Autogeschäft mehr, als nur Autos vom Band zu schieben. Denn bei den Chinesen sitzt das Geld nicht mehr so locker – gleich ob der Grund die Talfahrt an den Börsen ist, fallende Immobilienwerte oder die Angst vor sinkenden Löhnen. Der Glaube der Chinesen an die Allmacht des Staates schwindet gerade. Wahrscheinlich auch bei Martin Winterkorn. Aber der hat nun Herbert Diess. Der neue VW-Markenchef muss jetzt dafür sorgen, dass die Volkswagen-Werke im Reich der Mitte ausgelastet sind. Gute Manager sind bekanntlich auch gegen den Trend erfolgreich. Die ersten Chefs in China, denen das nicht gelungen ist, packen bereits ihre Koffer.