München. Mit leistungsstarken Limousinen und SUVs hat es BMW an die Weltspitze der Premiumhersteller geschafft. SUVs sind nach wie vor das Boomsegment. Das wirkt sich auf die Produktion von BMW aus: Das größte Werk der Münchner ist bald die US-Fabrik in Spartanburg, wo ausschließlich SUVs vom Band laufen. Doch dies ist die Modellpolitik der Gegenwart, nicht der Zukunft. Dafür sorgt schon Brüssel mit immer anspruchsvolleren Zielen für die CO2-Emissionen der Fahrzeugflotte. Nur noch 95 Gramm CO2 dürfen es in der Europäischen Union ab dem Jahr 2021 sein. Die Diskussion für künftige Vorgaben läuft bereits, weniger als 75 Gramm je Kilometer sind im Gespräch. Gerade Premiumhersteller wie BMW müssen daher umdenken.
Zwar werden auch Verbrennungsmotoren immer stärker auf Effizienz getrimmt, doch jedes verkaufte Modell mit großem Benzin-oder Dieselmotor muss in der CO2-Bilanz mit einem elektrifizierten Fahrzeug ausgeglichen werden. Gelingt dies nicht, drohen aus Brüssel hohe Strafen. Viel Zeit bleibt nicht, denn bis zum Jahr 2025 sind es nur noch anderthalb Modellgenerationen. Was dann an Technik unter dem Blech oder Carbon der Münchner Modelle häufiger stecken wird, läuft bei BMW unter dem Begriff „Power eDrive“.
Elektroantrieb rückt in den Vordergrund
Der Fokus liegt dabei nicht mehr auf dem Verbrennungsmotor. Einen Vorgeschmack gab bereits ein Versuchsträger mit etwa 640 PS auf Basis des Fünfer GT. Nur noch rund 30 Prozent steuert der Verbrenner bei, in diesem Fall ist es der 1,5-Liter-Dreizylinder B38. Den Rest liefern zwei Elektromaschinen, eine an der Vorder-, die andere an der Hinterachse. Das Layout beinhaltet zugleich den elektrischen Allradantrieb. Schon beim Hybrid-Sportler i8 zeigt sich, dass Kolben und Zylinder an Bedeutung verlieren. Bei ihm sitzen der B38 sowie ein 15 Kilowatt starker Hochvolt-Startergenerator im Heck, die Elektromaschine an der Vorderachse. Zukünftige Modelle auf Basis der modularen Fahrzeugarchitektur UKL2 wie der Zweier Active Tourer, X1, Einser, aber auch Mini Countryoder Clubman bekommen die i8-Technik in umgekehrter Richtung und mit weniger Leistung: Verbrenner vorn, E-Maschine hinten.
Den ersten Plug-in-Hybrid-Versuch bei den SUVs startet BMW derzeit im X5 xDrive40e. Hier dominiert noch der Verbrennungsmotor (Zweiliter-Vierzylinder N20 mit 245 PS). Doch auch die E-Maschine hat mit 113 PS genügend Kraft, den 2,3-Tonnen-Brocken gegebenenfalls auf 120 km/h zu beschleunigen. Bis zu 31 Kilometer kann der Plug-in-X5 elektrisch fahren, was zu einem Normverbrauch von 3,4 Litern führt. 2016 steht als Volumenmodell der Dreier als Plugin auf dem Programm. Er soll einen Verbrauch von etwa zwei Litern schaffen und somit weniger als 50 Gramm CO2 ausstoßen. Siebener und Fünfer folgen. In allen arbeitet der neue Modul-Vierzylinder B48. Die E-Maschine sitzt jeweils zwischen Verbrenner und Achtgangautomatik (P2-Konzept).
Kostensteigerung vermeiden
Bei den elektrischen Reichweiten bewegt sich BMW derzeit zwischen 30 und 40 Kilometer. „Damit können wir die meisten Fahrstrecken abdecken und gleichzeitig eine leistungsadäquate Preisstellung erreichen“, sagt Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich. Heißt: Eine bestimmte Systemleistung im Hybrid soll nicht mehr kosten als ein gleich starker Verbrenner. Dies dürfte ohnehin die einzige Möglichkeit sein, genügend Käufer für Plug-in-Modelle zu finden. Sollte dies nicht gelingen, bliebe der gewünschte Effekt auf den Flottenverbrauch aus.