Ein einfacher Satz von ihm hat ausgereicht, wie schon oft, um den Dingen einen neuen Lauf zu geben. Plötzlich war alles gesagt zu Martin Winterkorns Plänen für den Unruhestand. Und fortan läuft wieder „Mittellandkanal“, das deutsche Pendant zu „Dallas“. In der Hauptrolle Ferdinand Piëch, von vielen bewundert und gefürchtet. Zumal kaum einer daran zweifelt, dass Piëch wie immer als Sieger vom Platz geht. Doch dieses Mal ist irgendwie alles anders. „Isn’t Piëch a strange guy?“ wurde ich mal gefragt. „Strange is what you don’t understand“, lautete meine Antwort. Dieses Mal verstehe auch ich den Modus seines Handelns nicht. Es kann nicht sein, dass diese Inszenierung Teil eines Plans ist, abzulenken von den aufkeimenden Problemen im Volkswagen-Konzern. Denn Piëch ist Volkswagen und ist somit immer Teil eines jeden Problems. Das gilt für die Renditeschwäche der Kernmarke und den US-Markt genauso wie für die Strukturen im Konzern bis hin zum Fehlen von jüngeren Topmanagern, die bei Daimler und BMW gerade die Zukunft gestalten.
Als Renault-Chef Louis Schweitzer 2002 den Dacia in Auftrag gab, saß Piëch selbst noch in Wolfsburg im Chefsessel. Statt eines günstigen Volksautos gibt es heute nur die Erkenntnis: „Wir können alles, außer billig.“ Doch womöglich ist es das große „alles“, das Piëch auf die Bühne trieb. Die Einsicht, dass ein Visionär benötigt wird, um im globalen Wettbewerb mit den Paradigmenwechseln in der Branche Schritt zu halten. Gleich ob es ihm um Märkte, Produkte oder Visionen geht, oder „nur“ um den Vorsitz im Vorstand und Aufsichtsrat, viele hätten sich wohl gewünscht, dass der VW-Patriarch ähnlich agiert hätte wie etwa die Quandts und BMW im vergangenen Herbst in München: geräuschlos und doch effizient. Gut möglich, dass auch Piëch jetzt diese Einsicht gewonnen hat, nachdem die Salzburger Runde am vergangenen Freitag den 1. Akt des Volkstheaters mit ganzen zwei Zeilen beendete. Doch wer den Protagonisten kennt, weiß, dass er wiederkommt. Das Gesetz der Serie aber ist gebrochen.