München. So hat etwa ZF ein Achtgang- Automatikgetriebe im Angebot, das mithilfe eines Baukastensystems für nahezu jedes Fahrzeugkonzept genutzt werden kann: für Standard-, Transaxle- und Allradantriebe ebenso wie für Hybridoder Plug-in-Hybridsysteme. Bei BMW etwa wird die dank der Modularität extrem variable Achtgangautomatik vom Einser bis zum Siebener ebenso verbaut wie im Rennwagen M235i Racing. Das „Lego-Prinzip“ findet inzwischen bei fast allen Komponenten Anwendung, auch, weil es kaum noch anders funktioniert angesichts der stetig steigenden Anzahl von Modellvarianten der Autobauer. Der Sitzsysteme-Hersteller Brose bedient alle Kunden aus einem Baukasten mit weniger als 20 zentralen Komponenten. „Diese Standardisierung macht die Vielfalt der kundenspezifischen Anpassungen und die Bewältigung der stetig steigenden Anforderungen an das Dreieck aus Qualität, Kosten und Zeit erst möglich“, sagt Markus Fischer, Leiter Entwicklung Sitzsysteme bei Brose.
Hauptsache Gleichteile
Ganz ähnlich beschreibt ein Sprecher von Johnson Controls die Herausforderung beim Thema Autositze. Eine einheitliche, skalierbare Metallstruktur als Unterbau reduziert die Anzahl der Bauteile, während über diesem modular aufgebauten Sitzgerüst die Schäume, Polster und Bezüge je nach Wunsch des Autoherstellers gewählt werden können. Modularität wird umso wichtiger, je mehr Software ins Spiel kommt. „Ohne den Einsatz modularer Software wären die heutigen Funktionsumfänge in modernen Fahrzeugen nicht möglich. Sie wären zu teuer in der Entwicklung und zu aufwendig bei der Qualitätssicherung“, sagt Torsten Posch, Software-Experte beim Zulieferer Continental. Ob es sich um den Einklemmschutz für ein Fensterhebersteuergerät handelt oder um die komplexe Programmierung eines Infotainmentsystems – die Software stammt aus einem modular aufgebauten Baukasten. Conti hat ein Steuergeräte-Konzept mit insgesamt fünf Ausbaustufen entwickelt, das sich den Bedürfnissen der Autoproduzenten in allen Weltregionen anpasst. Hiermit lassen sich so unterschiedliche Anforderungen wie ein Lichtsteuergerät, eine Smartphone-Anbindung, Kombiinstrumente oder etwa auch die Kraftstoffpumpe für Modelle aller Fahrzeugklassen realisieren. Die Modularität setzt sich bei Continental auch bei etlichen Hardware-Bauteilen fort. Der „MK-100“-Baukasten beispielsweise umfasst eine Bremsen-Produktfamilie, die sich vom Motorrad- ABS mit Integralbremsfunktion bis hin zum Bremssystem für Lieferwagen skalieren lässt.