Wolfsburg/Ingolstadt. Wie sich die Zeiten ändern können. Wann immer sich in Wolfsburg in den vergangenen Monaten das Personalkarussell drehte, fiel auch der Name von Audi-Chef Rupert Stadler. Sei es als Wunschkandidat des im Frühjahr geschassten VW-Patriarchen Ferdinand Piëch für den Posten des Konzernchefs oder dann imSeptember unmittelbar vor der Neubesetzung des Top-Jobs.
Das ist längst passé. Denn mit dem Eingeständnis, dass auch bei der Volkswagen-Tochter Audi - also in seinem direkten Hoheitsbereich - eine zumindest in den USA verbotene Motorsoftware zum Einsatz kam, ist Stadler nun selbst in den Sog der größten Krise der Konzerngeschichte geraten. «Wenn Stadler das gewusst hat, ist er im Grund nicht in seinem Amt zu halten», heißt es aus dem Umfeld des mächtigen VW-Aufsichtsrats.
Die Wolfsburger Konzernzentrale reagiert da deutlich zurückhaltender. Offizielle Kommentare zur Rolle Stadlers sind hier Fehlanzeige. Zähneknirschend werden die laut US-Umweltbehörde EPA in Teilen falsch deklarierten 3,0-Liter-Aggregate vonAudi, die auch in Modellen von Porsche und VW verbaut wurden, als «weiterer Rückschlag bei der Aufarbeitung der Affäre», bezeichnet. Ansonsten gibt man sich zugeknöpft - und verweist auf die Tochter Audi. Hier wurden die betroffenen Motoren gebaut.
Am Abend sagte ein Konzernsprecher mit Blick auf das Eingeständnis von Audi, der VW-Aufsichtsrat habe sich bereits am vergangenen Freitag mit der Thematik beschäftigt. «Hier wird mit gleicher Konsequenz die Aufklärung vorangetrieben wie bei den anderen Themen auch.»