Marseille. Bislang mussten Avant-Kunden meist ein halbes Jahr oder länger warten, bis Audi nach Markteinführung der Limousine auch das entsprechende Kombimodell anbot. Zum ersten Mal nun steuert der Ingolstädter Autobauer gegen, will so verhindern, dass ungeduldige Käufer zur Konkurrenz abwandern. Schließlich liegt der Avant-Anteil in Deutschland bei gut 80 Prozent, europaweit bei rund 70 Prozent. "Der parallele Start beider Modelle stellte nicht nur an die Qualitätssicherung und die Produktion eine große Herausforderung, sondern auch an den Vertrieb", sagt Jens Dietrich Kotnik, Produktmanager der Baureihe. Limousine und Avant gehen Mitte November in den Markt. In der ersten Hälfte des nächsten Jahres soll bereits die Allroad-Version folgen. Die USA erhalten vorerst nur die Limousine. Der "normale" Avant wird dort nicht angeboten, dafür ausschließlich der Allroad. Dieser wird bis zu dessen Ablösung noch in alter Form (B8) weitergebaut. Auf Chinas Straßen wird aller Voraussicht nach kein europäischer A4 fahren. Audi fertigt ab 2016 im Reich der Mitte die um 80 Millimeter verlängerte A4 Limousine.
Audis Mittelklasse im Doppelpack
Preislich startet der Avant bei 32.500 Euro. Das sind 1850 Euro mehr als für die Limousine ausgegeben werden muss. Einstiegsmodell ist der 1,4 TFSI mit 150 PS und Frontantrieb. Insgesamt hat der Kunde die Auswahl unter drei Benzinern und vier Diesel-Aggregaten und einem Leistungsspektrum zwischen 150 und 272 PS. Im Unterschied zur Limousine gibt es den Avant auch mit Erdgasantrieb. Insgesamt vier zylindrische Tanks (Karbon-Glasfaser-Mix) unterschiedlicher Größe fassten 19 Kilo Erdgas (Druck: 200 bar). Dies soll laut Audi für eine Reichweite von 500 Kilometern ermöglichen. Weitere 450 Kilometer liefert ein 25-Liter-Benzintank. "Damit liegt die Gesamtreichweite auf dem Niveau eines Dieselmotors", sagt Burkhard Wiegand von der Technischen Projektleitung. Beim Ladevolumen sind nur geringe Abstriche zu machen. Der Boden liegt, bedingt durch die Tanks, 3,5 Zentimeter höher. Der A4 Avant e-tron ist nach dem A3 Sportback e-tron das zweite CNG-Modell von Audi und soll im Herbst 2016 in den Handel gehen.
Zahlte der Kunde zuvor beim A4 Avant eine Art "Lifestyle-Tribut" in Sachen Laderaum, hat Audi in dieser Disziplin nachgelegt. "Wir haben mit 505 Liter den größten Kofferraum im Premium-B-Segment", sagt Produktmanager Jens Dietrich Kotnik. 1510 Liter sind es bei umgelegten Rücksitzlehnen, teilbar im Verhältnis 40:20:40. Als Durchladebreite gibt Audi einen Meter an. Die Ladekantenhöhe beträgt lediglich 63 Zentimeter. Serienmäßig sind eine elektrische Gepäckraumabdeckung und eine elektrisch öffnende Heckklappe. Gegen Aufpreis kann man eine Gesten-Öffnung per Fußschwenk ordern.
Der A4 Avant gilt als das Rückgrat von Audi. In sechs Generationen sind seit 1992 über 2,5 Millionen Einheiten vom Band gelaufen. Sogar in den USA findet der kompakte Kombi seine Anhänger. Audi verkaufte hier vom Vorgänger mehr als BMW und Mercedes zusammen. Noch 2016 soll der neue Avant als S4 folgen. Für Anfang 2017 steht die Topmotorisierung RS4 auf dem Plan. Bis dahin wollen die Ingolstädter auch die Derivate A5 Coupé, A5 Sportback und A5 Cabrio auf der Straße haben.