Herr Ferber, im Zuge des VW-Skandals wird nach strengeren Emissionsgesetzen gerufen. Was sind die nächsten Schritte in Brüssel?
Die neuen Gesetze sind kurz vor dem Abschluss, sie waren ja lange vor Bekanntwerden des VW-Skandals geplant. Wir sind jetzt mitten in den Trilog-Verhandlungen zur Gesetzgebung der geplanten Regelungen zur Verringerung der Schadstoffemissionen sowie zur Einführung von Real-Driving-Emissions-Tests. Die Autos sollen künftig nicht mehr nur vorab im Labor getestet werden, sondern auch auf der Straße, wo realistischere Werte möglich sind.
Wie wird in der Werkstatt künftig geprüft?
Für die Stickoxid-Tests wird der sogenannte Konformitätsfaktor genutzt. Der Grenzwert für Stickoxid darf damit um das 2,1-fache überschritten werden. Von 2020 an liegt er bei 1,5.
Wann sollen die Gesetze kommen?
Im Januar 2016 werden die Gesetze durchs Plenum gehen, danach fällt die Entscheidung im Rat. Die strengeren Regeln sollen dann zum 1. Januar 2017 starten.
Was ist das Ziel des Ganzen?
Das Ziel ist: geringerer Schadstoffausstoß und niedrigerer Spritverbrauch. Ab dem Jahr 2020 dürfen Flotten, wie Sie wissen, nur noch im Schnitt 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Diese Grenzwerte einzuhalten, wird enormer Anstrengungen seitens der Hersteller bedürfen. Es kann bedeuten, dass Mittelklassewagen ab 2020 deutlich teurer werden.
Zumal der Diesel als guter C02-Ausgleichsfaktor in der Flotte jetzt ins Hintertreffen gerät?
Der VW-Affäre hat dem Diesel Schaden zugefügt. Dabei brauchen die Hersteller einen bestimmten Dieselanteil in der Flotte, um die Grenzwerte beim Kohlendioxid überhaupt einhalten zu können. Da klafft dann eine Lücke.
Eine Alternative ist das Elektroauto. Was tut Brüssel, um die Elektromobilität voranzubringen?
Es gibt viele Aufgaben zu lösen. Wir haben jetzt zum Beispiel den Auftrag an das Europäische Komitee für Normung, kurz CEN, erteilt, die Stecker und Adapter zu harmonisieren. Wenn Sie vier verschiedene Systeme in Europa haben, können Sie als Fahrer nicht einfach durch Europa fahren. Da fangen die Probleme schon an. eine Normung könnte ein Schritt ein vorn sein. Viele weitere müssen aber noch folgen.
Markus Ferber, 1965 in Augsburg geboren, ist Mitglied des Europäischen Parlaments, Vize-Vorsitzender des Ausschuss für Wirtschaft und Währung und Mitglied des Verkehrsausschusses. Ferber studiert Elektrotechnik studiert und arbeitete als Entwicklungsingenieur.