Wolfsburg. Bei Politikern gelten die ersten 100 Tage im Amt als Schonfrist - bei Matthias Müller nicht. Im Spätsommer 2015 wurde Volkswagen vom Vorzeigekonzern zum Skandalunternehmen mit Betrugsmotoren. Und Müller wurde in der Abgas-Affäre plötzlich zum Chef. Vorher stand er an der Spitze der VW-Tochter Porsche und fuhr mit den schnittigen Sportwagen ein Rekordergebnis nach dem anderen ein - bei VW erlebt er jetzt die andere Seite eines Vorstandspostens.
Am 3. Januar wird Müller seit 100 Tagen Martin Winterkorns Nachfolger an der Konzernspitze sein. Die bisherigen Turbulenzen hätten wohl für manches Managerleben ausgereicht. Und so ist Müllers 100-Tage-Bilanz auch allenfalls eine grobe Baustellen-Inventur.
Der Skandal um millionenfache Manipulationen an Dieselwagen hat bei VW viele Konstanten ins Wanken gebracht. Winterkorns zentralistischer Führungsstil ist dabei nur ein Aspekt. Es geht um die Arbeits- und Kritikkultur eines Weltkonzerns mit gut 614.000 Mitarbeitern. Es geht um eine Branche, deren Kernprodukt immer mehr Teil des Internets wird und als jahrzehntelanger Selbstläufer nunmehr zum Wandel verdammt ist. Verstopfte Straßen, Smog in Innenstädten - viele junge Leute gehen gar nicht mehr zur Fahrschule, geschweige denn zum Autohändler.