Wolfsburg. Am Mittwoch will Europas größter Autobauer erklären, wie die Geschäfte in den ersten drei Monaten liefen. Es werden Zahlen sein aus einer anderen Welt. Einer, in der das mächtige Führungs-Duo Piëch/Winterkorn noch als einiger Taktgeber des Konzerns erschien. In der Probleme zwar zu sehen - aber im Vergleich zu horrenden Milliarden-Gewinnen und der fast erreichten Weltmarktführerschaft doch nicht überzubewerten waren. Diese Fassade ist nun zerbrochen. Der Blick liegt frei auf drängende Probleme im VW-Reich, das Roulettespiel der möglichen Nachfolger für die Vorstandsspitze ist in vollem Gange und an der Spitze des Aufsichtsrats droht ein Machtvakuum.
Die zentrale Personalie: Wer folgt Ferdinand Piëch als Chef des Aufsichtsrats und Wächter über die langfristige Strategie von Deutschlands größtem Industriekonzern? Natürlich will man bei der Suche nach einem Nachfolger nichts überstürzen, wie der kommissarische Oberkontrolleur Berthold Huber noch am Samstag beteuerte, dem Tag des Piëch-Sturzes. Doch wo Machtverhältnisse ungeklärt sind, da greifen viele nach größerem Einfluss.
Als Piëch-Nachfolger galt Martin Winterkorn. Er kennt den Konzern seit Jahrzehnten und war eine unangreifbare Autorität bei VW. Bis sein beruflicher Ziehvater Piëch ihn fallen ließ und der Vorstandschef vor dem Aus stand. Der 67-Jährige gilt mehr als Qualitätsfanatiker, denn als Visionär. «Die Stärke von Winterkorn ist es, auch die letzte Schraube an der Sitzverstellung zu optimieren - und nicht die Strategie des Unternehmens», sagt Branchen-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.
Setzt Winterkorn trotzdem zum rasanten Durchmarsch an die Spitze des Aufsichtsrats an? Die Rückendeckung der mächtigsten Aufseher hat er als Konzernchef bereits schriftlich. Außerdem könnte ein Sprung in den Aufsichtsrat ihn davor bewahren, zum Vorstandschef mit beschnittenen Kompetenzen zu werden.