Hätten Sie gedacht, dass der prozentuale Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder in derdeutschen Automobilbranche fast doppelt so hoch ist wie in der Pharmaindustrie? Dies belegt die Grafik aus der Studie "Mixed Leadership-Barometer" auf Seite 16 unseres Spezials Top-50-Frauen der Autobranche.
Vor Jahren befand ich mich in einem Veranstaltungshotel in Berlin, in dem zeitgleich ein Pharmakongress tagte. Ich war umgeben von Frauen. Wahrscheinlich wäre es mir gar nicht aufgefallen, würde man es bei Veranstaltungen in der Autobranche nicht meist mit Männern in dunklen Anzügen zu tun haben. Von der Unternehmensspitze auf die Breite zu schließen, muss also nicht immer richtig sein. Eine Quote für die Spitze definiert demnach nicht unbedingt die Breite. Die 50 Frauen, die wir indieser Ausgabe vorstellen, sind zwar alle spitze, aber bei Weitem keine Quotenfrauen. Für die meisten von ihnen ist die Frauenquote wohl eher ein Bärendienst als ein "historischer Schritt", wie sie die Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig bezeichnete.
Denn alle 50 stehen "ihre Frau", Tag für Tag im Autohaus, bei Herstellern und Zulieferern. Sie alle überzeugen mit neuen Ideen und guten Strategien, die in Zeiten disruptiver Veränderung ihren Unternehmen sicher weiterhelfen. Denn nicht selten zeigt das "schwache Geschlecht" gerade in schwierigen Zeiten und kritischen Momenten viel Stehvermögen. Denken Sie nur an Deutschlands Vorzeigeunternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann. Was sie vom Ruhestand mit 67 oder gar 69 Jahren hält, brachte sie in der vergangenen Woche bei ihrem halbrunden Geburtstag unmissverständlich zum Ausdruck. Ans Aufhören denkt sie nicht. Gut so. Ich wünsche mir, dass auch alle ihre Mitstreiterinnen weiterhin Gas geben. Sie bereichern die Branche. Sie sind das beste Vorbild für alle weiblichen Kollegen. Denn geht es nach Natalie Mekelburger von Coroplast, erhöht man den Anteil der Frauen in der Branche wohl am besten mit Gelassenheit: "Nicht viel darüber reden, einfach machen."