Fast könnte man meinen, er sei ein Zocker. Denn schon wieder sitzt Herbert Diess im Flieger nach Las Vegas. War das Thema für den VW-Markenvorstand im Januar noch die Zukunft und der "Budd-e", geht es dieses Mal um viele Buddies. Nämlich um die VW-Händler auf der NADA. The biggest Dealer Show on Earth hatte Diess wohl nicht auf seinem Radar. Doch der Besuch der amerikanischen Händler-Delegation in Wolfsburg hat offensichtlich Wirkung gezeigt. Die NADA wurde auf den Terminplan gesetzt, um im Spielerparadies den Essermans und Kellys seine Entschlossenheit zu zeigen. Denn seit US-Chef Michael Horn Anfang März das Handtuch geworfen hat, brennt die Hütte. Alan Brown, Vorsitzender des amerikanischen VW-Händlerverbands, beschreibt die Gefühle seiner Kollegen mit "shocked, worried, concerned and frustrated". Das scheint fast noch untertrieben, wenn man an den Imageschaden denkt, das tote Diesel-Kapital auf dem Hinterhof und das endlose Warten auf die technische Lösung. Die jüngsten Rückrufe von Touareg, Passat und E-Up sind dabei fast zu vernachlässigen.
Investiert haben die rund 650 VW-Händler für ein geplantes Konzern-Volumen von jährlich 800.000 Volkswagen im US-Markt. Darauf haben sich die Händler vorbereitet und mehr als eine Milliarde Dollar in die Hand genommen. Doch jetzt fehlt fast eine halbe Million Neuzulassungen. Die Rechnung kann nicht aufgehen, auch nicht in den nächsten fünf Jahren. Verständnis und warme Worte werden den Händlern nicht reichen. Herbert Diess muss sie glücklich machen. Sie brauchen endlich Stückzahlen. Sie wollen ein B-SUV und den T-Roc. Sie fordern Cash als Kompensation für "Dieselgate" und um zu Überleben. Diess muss jetzt ein Carepaket schnüren. Die Alternative wäre nur eine weitere Klage, wieder mit ungewissem Ausgang. Und Wolfsburg wird diese Händler brauchen, sofern VW in den USA noch eine Rolle spielen will. Denn Kampfgeist und Selbstbewusstsein haben die amerikanischen VW-Händler – so wie alle ihre US-Kollegen auf der NADA.