VW-Chef Herbert Diess hat die Branche aufgeschreckt. Die zu harten Vorgaben der Politik seien eine Bedrohung der deutschen Autoindustrie, meint er. Die Chance, dass die deutschen Autobauer in zehn Jahren noch zur Weltspitze gehören, stehen seiner Ansicht nach 50:50. Dass die Branche vor großen Umbrüchen steht, ist nicht neu, ebenso wenig die Sorgen, ob alle Akteure die Umbrüche überstehen werden. Aber wie viel Schuld trägt die Politik daran?
Lange Zeit hat die Politik in Deutschland die Autobranche mit Samthandschuhen angefasst. Davon haben beide Seiten profitiert. Die Unternehmen sorgten für sichere Arbeitsplätze und fuhren im Gegenzug satte Gewinne ein. Zu strenge gesetzliche Vorgaben vermied die Politik vor diesem Hintergrund.In den vergangenen Monaten hat sich das Klima verändert. Die deutsche Regierung hat strengeren CO2-Grenzwerten zugestimmt, das KBA hat Rückrufe wegen zu hoher Emissionen angeordnet, die Regierung fordert die Hersteller zu Hardware-Nachrüstungen auf. Verständlich, dass Diess sich ärgert. Die Branche hat Probleme genug - Elektrifizierung, Automatisierung, Wandel des Mobilitätsverhaltens, neue Player und und und. Doch einige dieser Probleme hat sie sich selbst zuzuschreiben.Wenn die Autobauer nicht über Jahre hinweg die Schadstoff-Grenzwerte überschritten hätten, indem sie die gesetzlichen Vorgaben bis zum Äußersten ausgereizt haben (Stichwort: Motorschutz) wären jetzt keine Fahrverbote nötig.
Der Umstieg auf elektrisch angetriebene und autonom fahrende Autos wird kommen - allerdings nicht über Nacht. Es ist an den Herstellern, sich darauf vorzubereiten.
Noch immer gehören die deutschen Ingenieure zu den besten der Welt und die deutschen Unternehmen zu den innovativsten. Es ist in erster Linie Aufgabe der Unternehmen, dafür zu sorgen, dass das so bleibt. Die Chance dafür ist da, die Unternehmen müssen sie aber nutzen. Die Politik kann dafür allenfalls die Rahmenbedingungen schaffen. Dass sie nun die Samthandschuhe auszieht, mag im ersten Moment schmerzhaft sein. Aber der Umbruch wird kommen und dann ist es besser, darauf vorbereitet zu sein. Gut möglich, dass die deutschen Autobauer in zehn Jahren noch zur Weltspitze gehören - und der Politik für den Weckruf dankbar sind.Lesen Sie auch:
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