Erst vor wenigen Tagen hat der neue VW-Konzernchef Herbert Diess mehr Transparenz und Anstand gefordert. "Volkswagen muss (...) noch ehrlicher, offener, wahrhaftiger, in einem Wort: anständiger werden." Gerade erst wurde Diess auch zum Vorsitzenden des Audi-Aufsichtsrats gewählt und sitzt damit dem höchsten Kontrollgremium seiner Premiumtochter vor.
Und schon hat Audi den nächsten Skandal am Hals. Gut, es geht um „nur“ 60.000 Autos. Verglichen mit den Millionen von Fahrzeugen, die Audi im Rahmen des Abgas-Skandals schon zurückrufen musste, ist das kaum der Rede wert.
Aber die Botschaft, die in der Öffentlichkeit ankommt, ist: Audi hat es auch mehr als zweieinhalb Jahre nach dem Bekanntwerden des Abgas-Skandals nicht geschafft, alle seine Motoren zu überprüfen. Noch immer werden Manipulationsprogramme in den Motorsteuerungen eingesetzt beziehungsweise gefunden. Das ist verheerend für jedes Unternehmen, vor allem aber für eins, das mit dem Slogan "Vorsprung durch Technik" wirbt und den Anspruch hat, mit BMW und Mercedes zu konkurrieren.
Erst kürzlich versprach Diess im Fall des wohl bespitzelten Zulieferers Prevent eine schonungslose Aufklärung und setzte sogar die Konzernrevision auf das Thema an. Wie wird Diess auf den neuen Vorfall bei Audi wohl reagieren?
Rupert Stadler verspricht wieder einmal Aufklärung und Abhilfe durch Software-Updates. Persönliches Fehlverhalten konnte ihm bisher nicht nachgewiesen werden. Doch ist das eigentlich noch das Thema? Wie glaubhaft ist ein Vorstandschef, der offenbar selbst keinen Durchblick zu haben scheint, was in seinem Unternehmen eigentlich läuft?
Herbert Diess gilt als jemand, der nicht in den Skandal verwickelt ist, weil er erst 2015 zu VW gekommen ist – lange nachdem die entsprechenden Entscheidungen gefallen waren. Lediglich wegen zu später Benachrichtigung der Aktionäre könnte er belangt werden. Er kann deshalb glaubwürdig als Chef des Konzerns, zu dem auch Audi gehört, den Wandel fordern. Im Interesse von Audi sollte er es tun – und zwar schnell.
Wenn Diess für mehr Anstand bei VW stehen will, muss er eine Entscheidung zu Stadler treffen.
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