Herr Henning, Sie wollen nach der Übernahme von Behr Hella Services den Vertrieb von Thermomanagement-Produkten auch außerhalb Europas ausbauen. Welche Schritte planen Sie?
Wir treffen gerade Vorbereitungen, um zum Jahresbeginn 2020 global zeitgleich zu übernehmen. Die BHS ist heute schon sehr stark in Europa vertreten und hat sich in den letzten Jahren eine gute Marktposition erarbeitet. Aus unserer Sicht bieten Nord- und Südamerika, aber auch der Raum Asien-Pazifik noch einiges an Potenzial. Nach einer internen Vorbereitungsphase werden wir ab Mitte 2019 in eine mit Hella abgestimmte Kundenkommunikation einsteigen.
Wann rechnen Sie mit der Zustimmung der Kartellbehörden für den Zukauf von Behr Hella Services?
Noch im vierten Quartal dieses Jahres.
Beschäftigen Sie sich mit dem Thema Augmented Realtity?
Wir schauen uns das sehr genau an und möchten zunächst verstehen, ob es angenommen wird und ob es zu deutlichen Produktivitätsfortschritten kommen wird. Ferner geht es auch um das Thema Netzwerkqualität. Eine Werkstatt auf dem Land erhält nicht die Bandbreiten, die sie benötigt, damit die Daten sicher und effizient übertragen werden.
Welche Chancen ergeben sich für Sie durch Trendthemen wie Elektromobilität oder autonomes Fahren?
Wir befassen uns natürlich intensiv damit und es ist schwer zu sagen, wie sich die einzelnen Märkte im Detail verändern werden. In Summe gehen wir davon aus, dass die Individualmobilität weiter zunimmt. Vielleicht nicht in Deutschland, aber in angrenzenden Märkten. Durch das Thema Shared Mobility wird sich vor allem das Nutzerverhalten ändern. Künftig werden zunehmend Flottenbetreiber entscheiden, wann das Fahrzeug repariert oder ein Service durchgeführt wird. Aber Verschleiß wird nach wie vor und auch unabhängig von der Antriebsform ein Thema sein. Beim Elektromotor verkaufen wir zwar keinen Ölfilter mehr, dafür gibt es dann neue Komponenten, die vielleicht in einem geringeren Umfang, aber mit einem höheren Wertschöpfungsanteil benötigt werden.
Sind die Werkstätten gut auf das Thema Digitalisierung vorbereitet?
Es wird sicherlich eine Reihe von Betrieben geben, die diesen Wandel nicht mitgehen. Die Fahrzeuge werden immer komplexer und wir müssen den Werkstätten die richtigen Tools und Trainings dafür an die Hand geben, damit sie die Komplexität beherrschen.
Welche Bedeutung hat für Sie der chinesische Markt?
Einen sehr großen. Der Markt entwickelt sich dort viel rascher als bei uns. In Europa hat die Marktkonsolidierung vielleicht 20 Jahre gedauert, in China passiert das in fünf oder sechs Jahren. In den vergangenen zwei, drei Jahren haben wir zudem registriert, dass Fahrzeuge aus zweiter oder dritter Hand aus den Metropolen wie Peking oder Schanghai in die ländlichen Regionen gelangen. Da ist dann der Independent Aftermarket gefordert, den wir sehr intensiv bearbeiten.
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