Plötzlich rückten seine so berüchtigten Eigenschaften als Spitzenmanager in den Hintergrund, und der Mensch Sergio Marchionne wurde sichtbar - immerhin ein bisschen. Schon Tage bevor seinTod amMittwoch mitgeteilt wurde, wurde der Italo-Kanadier gewürdigt, als Visionär, als Menschenversteher. Als einer der zuhört und großzügig ist. Zuvor war der frühere Konzernlenker bei dem italienisch-amerikanischenAutobauer Fiat Chrysler (FCA)und der Tochter Ferrari für seinen kompromisslosen und teils rücksichtslosen Ehrgeiz bekannt. Dass ausgerechnet eine schwere Erkrankung sein Karriereende markierte, schockierte die Wirtschaftswelt. Marchionne wurde 66Jahre alt.
Der Abgang des Fiat-Chefs war eigentlich geplant, mit einem erreichten Ziel in der Tasche, das dem gebürtigen Italiener mit kanadischem Pass so wichtig war. Für Ende Juni hatte Marchionne die Schuldenfreiheit von Fiat Chrysler erklärt und wollte das Unternehmen 2019 verlassen.
2004 kam Marchionne zu dem kriselnden Turiner Großkonzern Fiat und richtete das Unternehmen komplett neu aus. Er baute die Bürokratie ab und halbierte die Entwicklungszeiten für neue Modelle. 2007 sagte er: "Ich will, dass Fiat zum Apple der Autos wird. Und der 500 wird unser iPod." Ganz so weit ist es nicht gekommen - aber die Fusion mit Chrysler 2014 zählt zu einem seiner größten Verdienste. Ihm gelang es, aus den zwei schwer angeschlagenen Konzernen Fiat und Chrysler einen globalen Player der Automobilindustrie zu machen.