Herr Ruf, Continental und Knorr-Bremse entwickeln ein System für das hochautomatisierte Fahren bei Nutzfahrzeugen. Wie sieht Ihre Zeitlinie aus?
Ein Demonstrator für das automatisierte Kolonnenfahren, das sogenannte Platooning, bestehend aus LKWs unterschiedlicher Hersteller, soll Anfang 2019 vorgestellt werden. 2020 wollen wir so weit sein mit einer Serienentwicklung beginnen zu können. Im optimalen Fall könnte ein solches System dann drei bis vier Jahre später in Serie gehen.
Aber eine solche Technologie kann erst dann in die Serie gelangen, wenn beim Kunden auch ein Modellwechsel ansteht, bei der eine neue Fahrzeugarchitektur vorgesehen ist. Wir starten mit Level 4, bei dem noch ein Fahrer mit an Bord ist. Die Fahrzeuge sollen aber alleine fahren und auch selbständig überholen. Das Ziel ist natürlich die Technik weiter in Richtung Level 5, dem voll autonomen Fahren ohne Fahrer, weiterzutreiben.
Was macht diese Partnerschaft mit Knorr-Bremse aus Ihrer Sicht einzigartig?
Nach unserem Kenntnisstand gibt es keine Entwicklungspartnerschaft unter Zulieferern wie die unsrige, dass quasi das gesamte System von einem Systemintegrator geliefert werden kann. Es gibt hier in der Partnerschaft zwei Player, die auf ihrem Gebiet weltspitze sind. Die meisten Fahrzeughersteller wollen ein solches System auch aufgrund der notwendigen hohen Investitionen nicht alleine entwickeln.
Lässt sich das von Ihnen entwickelte System auf verschiedene Kundenwünsche adaptieren?
Ja, das kann dann jeder Hersteller auf seine Anforderungen anpassen. Aber wir können nicht auf alle Kundenwünsche eingehen, denn die Idee dahinter ist ja ein kostengünstiges System anzubieten. Neben dem Gesamtsystem, werden beide Unternehmen ihre jeweiligen Funktionen und Komponenten auch einzeln den jeweils relevanten Kunden anbieten. Wir können damit also sehr flexibel auf Kundenbedürfnisse reagieren.
Haben Sie bereits Entwicklungsprojekte mit Kunden?
Ja, die gibt es. Wir dürfen aber nicht darüber sprechen.
Lässt sich die Technik aus dem Pkw auf den Nfz-Bereich übertragen?
Continental hat im Pkw-Bereich bereits viel Geld ins autonome Fahren investiert. Die dort gewonnenen Erfahrungen können wir zum Teil auf den Nutzfahrzeugbereich übertragen. Beispielsweise im Bereich Sensorik. Aber das Thema Fahrzeugdynamik ist beim Nutzfahrzeug viel komplexer als im Pkw. Der Pkw-Bereich wiederum wird weniger von der Technologie aus dem Nutzfahrzeug profitieren, sondern mehr aus den gewonnenen Erfahrungen in der Interaktion zwischen den Fahrzeugen.
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