Wenn der Mobile World Congress (MWC), die größte Mobilfunkmesse Europas, am Montag seine Tore öffnet, sind auch zahlreiche Automotive-Unternehmen dabei. Neben diversen Start-ups sind auch namhafte Firmen wie BMW, Seat, Conti und Mercedes-Benz in Barcelona.
Die Stuttgarter stellen dort ihre A-Klasse mit dem Multimediasystem MBUX (Mercedes-Benz User Experience) vor. Es lässt sich per Touchscreen, Touchpad oder Lenkradtasten bedienen und stellt sich dem Hersteller zufolge individuell auf den Nutzer ein. Updates erfolgen über Funk statt in der Werkstatt, was erheblich schnellere Beseitigung von Problemen und Einführung neuer Funktionen ermöglicht. Hinzu kommen eine verbesserte Sprachsteuerung und die um virtuelle Realität erweiterte Navigation.
Das System lernt seinen Nutzer mit der Zeit kennen, wie ein Mercedes-Mitarbeiter der Automobilwoche erläutert. "Das Auto merkt beispielsweise, dass der Fahrer jeden Morgen zur Arbeit fährt. Dieses Ziel wird dann bereits als Vorschlag in der Navigation angezeigt, damit der Fahrer es nicht umständlich suchen muss." Gleiches gilt für Vorlieben des Fahrers in Bezug auf Musik oder die Einstellung des digitalen Cockpits. Hier gibt es zum Beispiel Fahrer, die auf dem großen Touchscreen die Karte sehen wollen, während andere die traditionelle Ansicht von Drehzahlmesser und Tacho bevorzugen. Die Daten bleiben dabei im Fahrzeug gespeichert und werden nicht in der Cloud gespeichert, was vor allem den deutschen Kunden wichtig ist, die viel Wert auf den Schutz ihrer Daten legen. Beim Touchscreen hat Mercedes sich lange zurückgehalten. Das war dem Konzern zufolge aber Absicht, weil die Technik noch nicht den Ansprüchen von Mercedes und seinen Kunden genügt habe.
Daimler kooperiert unter anderem mit dem Start-Up Anagog, an dem sich die Stuttgarter beteiligt haben. Die erste gemeinsame Entwicklung, die "EQ Ready App", ist bereits auf dem Markt. Sie will den Kunden zeigen, wie viele ihrer täglichen Fahrten sie ebenso gut mit einem Elektroauto hätten bewältigen können. Die eigentliche Stärke von Anagog ist aber ein Programm, das Vorhersagen über das Verhalten der Nutzer ermöglicht - zum Beispiel, ob er gleich zum Auto gehen und damit seinen Parkplatz freimachen wird. Mit derartigen Vorhersagen lässt sich der Verkehr deutlich besser lenken, wenn erst einmal genügend Kunden mitmachen.
Teil des Mobile World Congress ist die Start-up-Messe "Four years from now", auf der Daimler ebenfalls vertreten ist. Dort stellen Teilnehmer der Hackathon-Reihe Digital Life Campus ihre Ideen vor.