Herr Krsteski, laut MINT-Frühjahresreport sind bundesweit mehr als zwei Drittel der offenen Stellen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik unbesetzt. Besonders kritisch ist die Lage in Baden-Württemberg. Entspricht das auch Ihrer Erfahrung?
Ja, die Lage für die Unternehmen ist kritisch. Zum einen werden Innovationspotenziale nicht erschlossen, zum anderen verliert Deutschland an Konkurrenzfähigkeit auf dem internationalen Parkett.
Was kann kurzfristig getan werden?
Ein Hebel ist die interne Aus- und Weiterbildung. Bei neuen Themen wie Digitalisierung, E-Mobilität, Industrie 4.0 oder Internet of Things müssen die Ingenieure herkömmliche Entwicklungsmethoden um Kompetenzen im Bereich Software und Softwareentwicklung ergänzen und sich so ein breiteres Know-how verschaffen. Lassen Sie es mich so formulieren: Der Ingenieur muss IT denken und sprechen können.
Und wie lässt sich das Thema langfristig angehen?
Da ist auch die Politik gefordert. Die Hochschulen müssen international enger miteinander vernetzt und es müssen Förderprogramme etabliert werden. Hier mangelt es derzeit an Diskussionen und Initiativen. Vor einigen Jahren gab es noch sehr viele chinesische Absolventen, die in Deutschland arbeiten wollten. Aber mittlerweile ist es für diese Gruppe nicht mehr so attraktiv, hierherzukommen. Themen wie E-Mobilität oder Digitalisierung sind in China viel weiter fortgeschritten als hierzulande, sodass es für die Absolventen attraktiver ist, im eigenen Land zu bleiben.
Warum decken die Unternehmen ihren Bedarf an Fachkräften nicht mehr im Ausland ab, wenn es hierzulande nicht genügend gibt?
Auch da gilt es, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Beispielsweise müssen bürokratische Hürden in puncto Aufenthaltsgenehmigung oder Anerkennung von Studienabschlüssen abgebaut werden.
Welche Spezialisten sind besonders gefragt?
Zum einen solche im Bereich IT, wie beispielsweise Programmierer, Spezialisten für künstliche Intelligenz und ganz besonders IT-Projektleiter. Also Generalisten, die nicht nur Kompetenz bei Entwicklungsthemen haben, sondern auch die Themen Software und Embedded Software mitbeherrschen. Zum anderen solche im Bereich Elektrotechnik. Beispielsweise Experten für Sensorik, aber auch für Elektrochemie, die für die Weiterentwicklung von Lithium-Ionen-Batterien gesucht werden.
Lesen Sie auch:
Engineeringunternehmen: Warum Ferchau einen Geschäftsbereich Automotive gründet
Fachkräftemangel: Zu wenig Personal - Fehrer stoppt Ungarn-Werk
IG-Metall-Chef über den Fachkräftemangel: Hofmann kritisiert Mangel an Chancen zur Weiterbildung
Dazu aus dem Datencenter:
Die weltweit 25 umsatzstärksten Entwicklungsdienstleister 2017