München. Im Online-Gebrauchtwagenmarkt gibt es zwei neue Akteure unter den professionellen Ankäufern. Beep24 und SellAnyCar haben begonnen, ein Netz in Deutschland aufzubauen. Beide zielen auf Fahrzeuge, die von Privatpersonen verkauft werden. Beide bieten die Möglichkeit, das Auto zuerst im Netz bewerten und dann vor Ort genauer begutachten zu lassen. Danach gehen die Geschäftsmodelle allerdings auseinander. Das Portal SellAnyCar, das bereits in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und der Türkei aktiv ist, will die Fahrzeuge der Privatpersonen an Händler vermitteln. Dazu wird diesen das Auto im Beisein des Verkäufers für zwölf Minuten in einer Onlineauktion angeboten, wie Gründer Saygin Yalcin erklärt. Ist der Kunde mit dem ermittelten Preis nicht einverstanden, kann er eine zweite, dann drei Minuten dauernde Runde starten und am Ende verkaufen – oder auch nicht. Sollte niemand interessiert sein, verspricht Sell AnyCar – dem Namen entsprechend –, immer ein Angebot zu machen.
Finanziert werden soll das Angebot durch einen Aufschlag von etwa sieben bis zehn Prozent auf den Preis für die Händler. Für weitere 150 bis 200 Euro werden die Autos auch geliefert. Starten soll das Portal mit 27 Stationen, an denen Autos bewertet und zur Auktion gestellt werden können. Auf Dauer peilt Sell AnyCar in Deutschland 88 bis 90 Standorte an. Mit dem Netzaufbau wird derzeit begonnen. Das selbstlernende Bewertungssystem, das laut Yalcin realistische Preise bei der Onlineauktionen ermitteln soll, damit Kunden bei der Bewertung vor Ort keine negative Überraschung erleben, muss offenbar noch viel lernen. Bei einem kurzen Test des Portals bewertete es einen Golf IV mit 75 PS, mehr als 150.000 Kilometern und geringer Ausstattung utopisch hoch mit fast 3000 Euro. Mittelfristig soll es aber sogar ein garantiertes Preisangebot auf Basis genauerer Fahrzeugangaben geben.
CarsB2B will Privatkunden
Beep24 startet zunächst nur im Rhein-Main-Gebiet und will erst später bundesweit aktiv werden. Die Börse ist eine Tochter der Handelsplattform CarsB2¬B, die damit auch in den Privatkundenbereich vordringt. Nach der Onlinebewertung wird das Auto bei einem Vor-Ort-Termin einem 150-Punkte-Check unterzogen, fotografiert und danach von Beep24 für den Verkäufer vermarktet. Findet sich binnen 45 Tagen kein Interessent, kauft das Unternehmen das Auto selbst. „Die Verkäufer erhalten einen fairen Preis, den sie beim Händler nicht erzielen können“, wirbt das Unternehmen. Auch bei SellAnyCar äußert man sich kritisch über den Handel. „Eine andere Alternative ist es, Ihr Auto an einen Händler zu verkaufen. Allerdings wird dieser, ausgenommen Sie sind wirklich ein Experte, immer versuchen, Sie preislich weit runterzudrücken. Das ist das gängige Geschäftsmodell“, heißt es auf der deutschen Homepage des Unternehmens. Beim Bundesverband freier Kraftfahrzeughändler sieht man solche „verunglimpfenden“ Äußerungen „unter Gesichtspunkten des fairen Wettbewerbs“ kritisch, wie der Vorsitzende Ansgar Klein sagt. Er lässt derzeit einzelne Zitate juristisch überprüfen.