München. Im vergangenen Jahr ist fast jeder vierte Pkw in China produziert worden. Das Land liegt damit weit vor den Vereinigten Staaten, Japan und Deutschland. Im Windschatten dieses Wachstums, das derzeit noch von Unternehmen mit westlicher Beteiligung wie SAIC und FAW getragen wird, haben rein chinesische Hersteller wie Chery und Geely bereits kräftig aufgeholt. Für deutsche Zulieferer können sie dadurch zu einem zweiten Standbein in China werden. „Viele deutsche Anbieter sind in China aufgrund der steigenden Produktion der Joint Ventures“, sagt Peter Fuß, Autoexperte bei EY. „Rein chinesische Hersteller hatten bislang keine hohe Priorität. Doch mittlerweile haben sie technologisch aufgeholt. Außerdem partizipieren sie am Marktwachstum, weil sie inzwischen in der Lage sind, attraktive Produkte für den chinesischen Erstkäufer und für die Mittelschicht anzubieten.“
Eine wichtige Rolle spiele auch die chinesische Regierung, die ein großes Interesse daran habe, dass rein chinesische Autohersteller erfolgreich am Markt agieren. „Wir stehen hier am Anfang einer ernst zu nehmenden Entwicklung, die große Möglichkeiten bietet“, ist Fuß überzeugt. Denn rein chinesische Hersteller seien vor allem dann auf Zulieferer-Know-how angewiesen, wenn es um komplexe Technologien und deren Integration ins Automobil gehe, etwa bei der digitalen Vernetzung, bei Assistenzsystemen und bei mechatronischen Bauteilen. Diese Einschätzung teilt man auch beim deutschen Anbieter KSPG. Das Unternehmen mit den Marken Kolbenschmidt und Pierburg erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 640 Millionen Euro in China, rund ein Viertel seines Gesamtumsatzes. „Etwa zehn Prozent davon entfallen auf rein chinesische Hersteller“, berichtet Vorstandschef Horst Binnig. „Unser Geschäft mit ihnen wächst dabei proportional mit dem Markt.“
Webasto wächst dank China
Dabei sei der Fokus in China je nach Unternehmensbereich durchaus unterschiedlich. Bei Teilen wie Kolben, Gleitlager oder Strukturbauteilen für Karosserie und Fahrwerk stünden vor allem Aufträge von internationalen Herstellern im Vordergrund. Anders sieht es im Bereich Mechatronik aus: „Hier haben wir eine starke Ausrichtung auf lokale Hersteller“, so Binnig. „Nicht zuletzt wegen der gesetzlichen Regelungen zu Verbrauch und Emissionen entsteht hier ein Markt. Denn chinesische Hersteller suchen neueste Technologien.“
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Webasto, dem Anbieter von Heizsystemen und Weltmarktführer bei Dachsystemen mit Firmensitz in Stockdorf bei München. „In der Tat gewinnen die rein chinesischen Autohersteller für uns an Bedeutung“, sagt Holger Engelmann, Vorstandsvorsitzender von Webasto. Dabei liege der Fokus eindeutig auf Schiebedächern. „Wir beobachten, dass lokale Hersteller verstärkt nach höherer Qualität und moderner Technologie nachfragen. Zudem sehen wir einen Trend hin zu immer größeren Panoramadächern“, sagt Engelmann. „Wir erwarten, dass der chinesische Markt weiter wächst, wenn auch moderater als bisher. Dabei werden wir weiter mit nahezu allen großen rein chinesischen Autoherstellern zusammenarbeiten.“