Stuttgart. Vom absehbaren Boom bei Billigautos - Fahrzeuge, die weniger als 7000 Dollar kosten - wollen auch die Zulieferer profitieren. Den weltweiten Absatz dieser Autos im Jahr 2015 schätzt Ferdinand Dudenhöffer, Geschäftsführer von B&D-Forecast, auf zehn Millionen Pkw. Sein Institut prognostiziert, dass "90 Prozent der zusätzlichen Fahrzeuge in China, Indien, im Rest Asiens ohne Japan und in Osteuropa gefertigt und abgesetzt werden".
Mit den technisch abgespeckten, einfachen Vehikeln, so Dudenhöffer, "kommen neue Hersteller in den Markt wie die Inder Tata und Maruti oder die Chinesen Chery, Geely, Chongqing und Hafei". Von den etablierten Anbietern bearbeiten vorwiegend Renault mit der Marke Dacia, Toyota sowie die Russen mit Hilfe des austro-kanadischen Partners Magna ernsthaft dieses Feld.
Schneller und intensiver als die meisten westlichen Hersteller nutzen verstärkt Zulieferer die enormen Wachstumschancen bei "Auto light" und entwickeln spezifische Ansätze. Einer der Pioniere ist Bosch. Bernd Bohr, Chef der Kfz-Sparte, fährt eigens eine nach Preissegmenten und Regionen differenzierte "Low-Cost-Strategie".
Andere Großausrüster wie ZF folgen. Der Zulieferer geht wie Bosch auf die Kundenbedürfnisse in China, Indien oder Südamerika ein: "Diese sind sicher andere als in Europa oder Japan", meint ZF-Chef Hans-Georg Härter. Aus diesen Märkten kämen "Anforderungen nach einfachen, kostengünstigen Produkten auf uns zu".
Für preisgünstigere Produkte rüstet sich auch Continental. Daher erwarb der Konzern kürzlich den Bremsenbauer AT. Die Italiener fertigen simple Trommel- und Feststellbremsen - genau das Richtige für Autos mit einfacher Technik. Engagiert gibt sich auch Johnson Controls. Han Hendriks, Vizechef für Marketing und industrielles Design in Europa: "Wir arbeiten an verschiedenen Low-Cost-Lösungen und Konzepten. Dies ist auch für uns ein attraktives Segment - schließlich müssen sich unsere Designer und Entwickler einer besonderen Herausforderung stellen."