Sindelfingen. Der Standort ist die Zentrale des weltweiten Forschungs- und Entwicklungs-Netzwerks von Daimler und Mercedes-Benz Cars. „Dafür investieren wir hier im Mercedes Technology Center Sindelfingen bis 2020 rund 600 Millionen Euro in Großprüfstände und neue Gebäude“, sagt Entwicklungsvorstand Thomas Weber. „Emissionsfreies, vernetztes und autonomes Fahren sind die zentralen Zukunftsthemen der Forschung und Entwicklung bei Mercedes-Benz“, so Weber. Sindelfingen ist das größte Werk des Konzerns, 1915 wurde es eingeweiht. Erst in den 70er-Jahren gründete man hier den Forschungsbereich. Im Jahr 1998 startete das Mercedes Technology Center (MTC). Es wurde 2007 mit dem Bau eines Simulators und zweier Klimakanäle erweitert. Maßgeblich hierfür war die enge Verzahnung von Forschung und Entwicklung, Planung und Produktion im Werk Sindelfingen. Im neuen Fahrsimulator lassen sich Systeme und Komponenten in allen Entwicklungsphasen erproben. Das Gerät besitzt unter anderem eine 360-Grad-Projektionswand, um Straßenverkehr realitätsgetreu abbilden zu können. Seit Ende 2010 sind die beiden Klimawindkanäle (Investitionsvolumen: 230 Millionen Euro) im Einsatz. Durch sie können extreme Wetterereignisse in der Halle simuliert werden. Temperaturen von minus 40 bis plus 60 Grad Celsius sind möglich, Orkane mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 265 km/h sowie tropische Regengüsse und heftige Schneestürme. Getestet werden beispielsweise Motorkühlung, Heizung und Klimaanlage. Selbst eher unspektakuläre Dinge wie die Funktion der Scheibenwischer gehören dazu. Durch die Klimawindkanäle können Straßenerprobungen später beginnen. Außenfahrten dienen meist nur noch zur Absicherung der Simulationsdaten. Mercedes weist hier auch auf die bessere ökologische Gesamtbilanz hin, weil Entwickler und Ingenieure längst nicht mehr so oft zu den Testgebieten fliegen müssen.
Die Forschung begann 1939
Lange vor der offiziellen Gründung des Mercedes Technology Center konzentrierten sich die Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten bereits auf den Standort Sindelfingen. Hier begann 1939 Béla Barényi, der Erfinder der Knautschzone, mit seiner Arbeit. Die ersten Crashtests fanden 20 Jahre später statt, damals noch auf dem Freigelände. Forschungsfahrzeuge spielen in der Historie des Zentrums eine große Rolle. Der C 111 aus dem Jahr 1969 war das erste. Im Fokus stand damals der Dreischeiben- Wankelmotor. Nachfolgende Forschungsautos beinhalteten Technik wie Drive-by-Wire (1996), Aktive Wanksteuerung (1997), Diesel- Hybrid (2003), Brennstoffzelle (2005), Diesotto-Motor (2007), Distronic Plus (2010) oder F-Cell Plug-in-Hybrid (2011). Jüngste Schöpfung des Mercedes Technology Center ist der F 015 „Luxury in Motion“. Die ungewöhnlich gestylte Fünfmeter- Limousine wirft einen Blick ins Jahr 2030 und soll zeigen, welche Möglichkeiten die neuen Technologien des autonomen Fahrens und der Konnektivität in Zukunft bieten werden.